Website-Analyse ohne Cookie-Banner: Datenschutzkonforme Alternativen

Google Analytics zwingt Sie zum Cookie-Banner. Diese vier Tools liefern dieselben Daten — ohne Einwilligungspflicht.

Praxis Ravel-Lukas Geck / geckIT Webdesign 6 Min. Lesezeit
Laptop mit Analytics-Dashboard — Website-Statistiken auf dem Bildschirm
Foto: Luke Chesser / Unsplash

Letztes Jahr hat ein Handwerksbetrieb aus Bielefeld mich gefragt, warum sein Cookie-Banner auf dem Handy den halben Bildschirm verdeckt. Meine Antwort: Weil Google Analytics Cookies setzt — und das TTDSG eine Einwilligung verlangt. Die bessere Frage wäre gewesen: Brauche ich Google Analytics überhaupt?

Die meisten kleinen Unternehmen nutzen Google Analytics, weil es kostenlos ist und „jeder es hat". Tatsächlich schauen viele nie rein — und wenn doch, ertrinken sie in Daten, die für eine 5-Seiten-Firmenwebsite irrelevant sind. Gleichzeitig handeln sie sich ein rechtliches Risiko ein, das seit der DSGVO-Praxis der Datenschutzbehörden real geworden ist.


Warum Google Analytics ein Problem ist

Google Analytics 4 (GA4) setzt Cookies und überträgt personenbezogene Daten an Google-Server — auch in die USA. Das erzeugt gleich zwei rechtliche Pflichten:

  1. Cookie-Einwilligung nach TTDSG § 25 — Ohne aktive Zustimmung (Opt-in) dürfen Sie GA4 nicht laden. Das bedeutet: Cookie-Banner mit echtem Consent-Management
  2. Datenschutzerklärung nach DSGVO Art. 13 — Sie müssen detailliert erklären, welche Daten wohin fließen und auf welcher Rechtsgrundlage

Was das für Sie als Website-Betreiber heißt: Ein Cookie-Banner verschlechtert die Nutzererfahrung. Studien zeigen, dass 30-40 % der Besucher Cookies ablehnen — Ihre Analytics-Daten sind also ohnehin unvollständig. Und wenn der Banner schlecht implementiert ist, riskieren Sie Abmahnungen und Bußgelder.

Vier datenschutzkonforme Alternativen

Alle folgenden Tools arbeiten ohne Cookies und speichern keine personenbezogenen Daten. Sie brauchen daher kein Cookie-Banner und keine Einwilligung — ein Hinweis in der Datenschutzerklärung reicht.

Umami — meine Wahl für Kunden-Websites

Umami ist Open Source, selbst hostbar und das Tracking-Script wiegt nur 2 KB. Es zeigt Seitenaufrufe, Verweildauer, Referrer und Geräte — mehr brauchen die meisten Firmenwebsites nicht.

Ich betreibe Umami auf meinem eigenen Server für alle Kunden-Websites. Die Daten bleiben in Deutschland, auf meiner Infrastruktur. Kein Drittanbieter sieht etwas. Einrichtung pro Website: eine Zeile JavaScript im HTML.

Plausible — für alle, die nicht selbst hosten wollen

Plausible kommt aus Estland (EU), ist ebenfalls Open Source und bietet eine gehostete Variante ab 9 EUR/Monat. Das Script ist unter 1 KB groß — deutlich kleiner als GA4 (ca. 45 KB). Das Dashboard ist absichtlich simpel: eine Seite, keine verschachtelten Menüs.

Matomo — der Platzhirsch mit mehr Funktionen

Matomo (ehemals Piwik) ist die funktionsreichste Alternative. Es bietet Heatmaps, Funnels, A/B-Tests und Zielvorhaben — fast alles, was GA4 kann. Selbst gehostet ist Matomo kostenlos, die Cloud-Version startet bei 23 EUR/Monat.

Der Haken: Matomo ist komplexer. Installation und Wartung erfordern PHP und MySQL auf dem Server. Für eine einfache Firmenwebsite ist das oft überdimensioniert.

Fathom — Premium-Lösung mit null Aufwand

Fathom ist ein kanadisches Unternehmen mit EU-Hosting. Ab 15 USD/Monat bekommen Sie ein poliertes Dashboard, Uptime-Monitoring und E-Mail-Reports. Keine Selbsthosting-Option — dafür null Wartungsaufwand.

Vergleich auf einen Blick

Tool Preis Self-Hosting Script-Größe Ideal für
Umami Kostenlos (self-hosted) Ja ~2 KB Agenturen, technisch Versierte
Plausible ab 9 EUR/Monat Ja <1 KB KMU ohne Server-Zugang
Matomo Kostenlos / ab 23 EUR/Monat Ja ~22 KB Wer GA4-Funktionsumfang will
Fathom ab 15 USD/Monat Nein ~2 KB Wer maximalen Komfort will

Alle vier Tools sind DSGVO-konform ohne Cookie-Banner einsetzbar, wenn Sie die cookielose Variante nutzen. Bei Matomo müssen Sie explizit die Option „No Cookies" aktivieren — sonst setzt auch Matomo Cookies.

Einbau in fünf Minuten

Egal welches Tool Sie wählen — die Integration funktioniert immer gleich: ein kleines Script-Tag im HTML Ihrer Website. Bei Umami sieht das so aus:

<script defer src="https://analytics.ihredomain.de/script.js" data-website-id="abc123"></script>

Das Script wird asynchron geladen (defer), blockiert also nicht den Seitenaufbau. Bei Plausible und Fathom ist es ein vergleichbares Einzeiler-Snippet.

Wichtig für die Datenschutzerklärung: Auch ohne Cookie-Banner müssen Sie das Tracking in Ihrer Datenschutzerklärung erwähnen — mit Angabe des Tools, der Rechtsgrundlage (berechtigtes Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO) und dem Hinweis, dass keine Cookies gesetzt und keine personenbezogenen Daten erhoben werden.


Was ich meinen Kunden empfehle

Für alle Kunden-Websites, die ich betreue, setze ich Umami ein. Der Grund ist einfach: Es läuft auf meinem eigenen Server, kostet nichts extra und ich habe die volle Kontrolle über die Daten. Wenn ein Kunde fragt, wie seine Website läuft, zeige ich ihm das Dashboard — Seitenaufrufe, Referrer, Geräte. Mehr muss niemand wissen, der eine Handwerker-Website mit 5 Seiten betreibt.

Wenn Sie keinen eigenen Server haben: Plausible ist die beste Wahl. 9 EUR/Monat, EU-Server, ein einziges Script-Tag. Keine Wartung, keine Updates.

Wenn Sie GA4-Funktionen brauchen (E-Commerce, Conversion-Tracking, Funnels): Matomo. Aber seien Sie ehrlich zu sich — die meisten KMU-Websites brauchen das nicht.

Mein Tipp: Bevor Sie ein Analytics-Tool einrichten, fragen Sie sich: Was genau will ich wissen? Wenn die Antwort „wie viele Leute meine Website besuchen" ist, reicht jedes Tool auf dieser Liste — und keins davon braucht einen Cookie-Banner.

Mehr zum Thema Ladezeit und Performance finden Sie in meinem Artikel Website-Ladezeit optimieren — denn ein Analytics-Script, das kleiner ist als ein einzelnes Bild, ist auch ein Performance-Gewinn. Und wenn Sie generell über Ihre SEO-Strategie nachdenken, berate ich Sie gerne.