„Die Website läuft doch noch." Diesen Satz höre ich oft — und er stimmt meistens sogar. Die Seite läuft. Sie ist online. Man kann sie aufrufen. Aber die eigentliche Frage ist eine andere: Bringt sie Ihnen noch Kunden?
Viele Unternehmer spüren, dass ihre Website nicht mehr das leistet, was sie einmal sollte. Die Anfragen sind weniger geworden, die Konkurrenz sieht moderner aus, und das Handy zeigt die Seite irgendwie komisch an. Aber reicht das für einen kompletten Relaunch? Oder genügen ein paar Anpassungen?
Genau dafür habe ich diesen Selbst-Test entwickelt. 10 ehrliche Fragen, die Ihnen in wenigen Minuten zeigen, wo Sie stehen — ohne Verkaufsdruck und ohne Panikmache. Dieser Test basiert auf den häufigsten Schwachstellen, die ich bei lokalen Unternehmen in OWL immer wieder sehe — in über 50 Website-Analysen der letzten Monate.
Wann ist eine neue Website wirklich nötig?
Nicht jede veraltete Website braucht sofort einen Relaunch. Manchmal genügt es, einzelne Baustellen zu beheben — eine schnellere Ladezeit hier, ein besserer Text dort. Aber es gibt Situationen, in denen Flickwerk nicht mehr hilft.
Die häufigsten Gründe, warum eine komplett neue Website sinnvoll wird:
- Technische Altlasten: Die Website basiert auf einem veralteten System (z.B. Flash, alte WordPress-Version ohne Updates), und jede Änderung wird zum Risiko.
- Mobil nicht nutzbar: Über 60 % der lokalen Suchanfragen kommen vom Smartphone. Wenn Ihre Seite dort schlecht aussieht, verlieren Sie die Mehrheit Ihrer potenziellen Kunden.
- Kein klares Ziel: Die Seite zeigt alles, fordert aber nichts. Kein Anruf-Button, kein Kontaktformular, keine klare Handlungsaufforderung.
- Google findet Sie nicht: Wenn Ihr Unternehmen bei relevanten Suchbegriffen nicht auf der ersten Seite erscheint, arbeitet Ihre Website nicht für Sie — sie steht nur im Weg.
Ob einer oder mehrere dieser Punkte auf Sie zutreffen, zeigt der folgende Test.
Der 10-Punkte-Selbst-Test
Beantworten Sie jede Frage ehrlich mit Ja oder Nein. Zählen Sie am Ende Ihre „Nein"-Antworten — die Auswertung folgt danach.
- Ist Ihre Website mobilfreundlich? — Öffnen Sie die Seite auf Ihrem Smartphone. Sind Texte lesbar, Buttons klickbar, Bilder nicht abgeschnitten? Müssen Sie zoomen oder seitlich scrollen?
-
Lädt Ihre Seite in unter 3 Sekunden? — Testen
Sie es unter
pagespeed.web.dev. Alles über 3 Sekunden kostet Sie nachweislich Besucher. - Wurde die Website in den letzten 3 Jahren grundlegend überarbeitet? — Nicht nur ein neues Foto, sondern Design, Struktur oder Technik.
- Hat Ihre Seite klare Handlungsaufforderungen? — Findet ein Besucher innerhalb von 5 Sekunden heraus, wie er Sie kontaktieren kann? Gibt es einen sichtbaren Anruf-Button oder ein kurzes Formular?
- Ist Ihre Website über HTTPS (SSL) erreichbar? — Schauen Sie in die Adressleiste: Steht dort ein Schloss-Symbol? Ohne SSL markiert Google Ihre Seite als „nicht sicher".
- Sind die Inhalte aktuell? — Stimmen Öffnungszeiten, Leistungen und Kontaktdaten? Gibt es Inhalte, die veraltet sind (abgelaufene Aktionen, alte Teammitglieder)?
- Wirkt das Design noch zeitgemäß? — Vergleichen Sie Ihre Seite ehrlich mit 2-3 Wettbewerbern. Würden Sie als Kunde bei sich selbst anfragen?
- Finden Kunden Sie über Google? — Suchen Sie nach Ihrem Hauptbegriff + Ihrer Stadt (z.B. „Maler Detmold"). Erscheinen Sie auf der ersten Seite? Im Local Pack?
- Wissen Sie, wie viele Besucher Ihre Website hat? — Nutzen Sie ein Analyse-Tool wie Google Analytics oder die Search Console? Ohne Daten treffen Sie Entscheidungen im Blindflug.
- Hat Ihre Website strukturierte Daten? — Strukturierte Daten (Schema Markup) helfen Google und KI-Systemen wie ChatGPT, Ihr Unternehmen zu verstehen und zu empfehlen. Nur rund 1,2 % der lokalen Betriebe nutzen das bisher.
Ein Schreinermeister aus Detmold hat den Test gemacht und kam auf 8 von 10 Punkten. Sein Kommentar: „Ich wusste, dass es nicht gut ist — aber nicht, wie schlecht." Drei Wochen später hatten wir ein Konzept für den Relaunch.
Auswertung: Was Ihr Ergebnis bedeutet
Zählen Sie Ihre „Nein"-Antworten zusammen:
0–3 Mal „Nein" — Kleinere Baustellen: Ihre Website steht auf einem soliden Fundament. Einzelne Schwächen lassen sich gezielt beheben, ohne alles neu zu machen. Prüfen Sie, ob die betroffenen Punkte mit überschaubarem Aufwand zu lösen sind.
4–6 Mal „Nein" — Optimierung nötig: Hier häufen sich die Schwächen. Einzelne Reparaturen könnten noch helfen, aber rechnen Sie ehrlich durch: Wenn Sie drei oder vier Baustellen parallel angehen müssen, wird ein durchdachter Neuaufbau oft günstiger als stundenweises Flicken.
7–10 Mal „Nein" — Relaunch empfehlenswert: Ihre Website hat grundlegende Probleme in Technik, Design und Inhalt. Hier lohnt es sich, von Grund auf neu zu denken. Eine moderne Seite, die auf Ihre Zielgruppe zugeschnitten ist, wird sich schnell bezahlt machen.
Eine Website ist kein Denkmal. Sie ist ein Werkzeug — und Werkzeuge müssen zum aktuellen Job passen, nicht zum Job von vor fünf Jahren.
Relaunch oder Optimierung?
Diese Frage stellen mir Kunden am häufigsten. Und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an.
Optimierung reicht, wenn:
- Die Grundstruktur der Seite funktioniert und die Technik aktuell ist
- Das Design zwar etwas angestaubt, aber nicht fundamental veraltet ist
- Hauptsächlich Inhalte aktualisiert, Ladezeiten verbessert oder CTAs ergänzt werden müssen
- Das Content-Management-System noch gepflegt wird und Sicherheitsupdates bekommt
Ein Relaunch ist sinnvoller, wenn:
- Die Website technisch auf einem veralteten Fundament steht (kein Responsive Design, kein SSL, kein aktuelles CMS)
- Die Seitenstruktur nicht zu Ihrem heutigen Angebot passt — etwa weil Sie Leistungen gestrichen oder erweitert haben
- Jede kleine Änderung unverhältnismäßig viel Zeit und Geld kostet
- Sie bei Google praktisch unsichtbar sind und keine organischen Besucher bekommen
- Ihr Wettbewerb modern aufgestellt ist und Sie im direkten Vergleich abfallen
Ein guter Indikator: Wenn Sie mehr als 30 % der Seite ändern müssten, um sie auf den aktuellen Stand zu bringen, ist ein Neuaufbau fast immer die bessere Investition. Sie bekommen eine saubere Codebasis, moderne Technik und ein Design, das gezielt auf Ihre Kunden ausgerichtet ist — statt auf die Kunden von 2019. Was ein professioneller Relaunch kostet, erfahren Sie im Artikel Was kostet eine Website 2026?
Was Sie jetzt tun können
Egal wie Ihr Testergebnis ausgefallen ist — allein die Tatsache, dass Sie sich die Fragen gestellt haben, ist ein guter erster Schritt. Viele Unternehmer verdrängen das Thema Website, weil es komplex wirkt. Ist es aber nicht, wenn man es strukturiert angeht.
Ihre nächsten Schritte:
-
Ladezeit messen — Öffnen Sie
pagespeed.web.devund geben Sie Ihre URL ein. Die Zahlen sprechen für sich. - Mobil-Check machen — Öffnen Sie Ihre Seite auf dem Smartphone und fragen Sie sich ehrlich: Würde ich hier anrufen?
- Google-Sichtbarkeit prüfen — Suchen Sie nach „[Ihre Leistung] + [Ihre Stadt]". Wo stehen Sie?
- Wettbewerb vergleichen — Schauen Sie sich 2-3 Websites Ihrer Mitbewerber an. Nicht um zu kopieren, sondern um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo die Messlatte liegt.
Wenn die Texte das Hauptproblem sind, helfen Ihnen die 7 Regeln für Website-Texte, die verkaufen.
Wenn Sie sich nach diesem Test unsicher sind oder eine zweite Meinung wollen: Ich schaue mir Ihre Seite gerne an und gebe Ihnen eine ehrliche Einschätzung — was funktioniert, was nicht, und ob sich eine Investition lohnt. Ohne Verpflichtung, ohne Verkaufsgespräch.
Wenn klar wird, dass Struktur, Auftritt oder mobile Darstellung nicht mehr tragen, ist meist ein sauberes Webdesign-Projekt der richtige nächste Schritt. Wenn Sie erst Klarheit brauchen, ist ein Website-Audit der bessere Einstieg.