Meist ja, sofern die Seite auf lokale Suche, klare Kontaktwege und echte Fotos ausgerichtet ist. In meiner OWL-Website-Studie habe ich 21.158 Unternehmens-Websites analysiert, mehrere tausend davon aus dem Handwerk. Die wenigsten sind auf das zugeschnitten, wonach Kundinnen und Kunden 2026 suchen: mobil, schnell, mit klarer Leistungsübersicht und einem sauberen Google-Profil im Rücken.
Die meisten Handwerksbetriebe, mit denen ich spreche, sind gut ausgelastet. Schwierig ist eher die Mischung der Anfragen: Sie kommen unstrukturiert übers Telefon, ohne Vorauswahl, und jüngere Hausbesitzer, Zugezogene und Gewerbekunden laufen vorbei, weil der Betrieb online nicht stattfindet. Deshalb gilt die Website oft als Kostenposten und nicht als Investition.
Dieser Artikel ordnet aktuelle Zahlen aus 2025 und 2026 ein und zeigt, woran Sie den Nutzen Ihrer eigenen Website messen. Wie Sie die Seite planen, was darauf gehört und was sie kostet, steht im Leitfaden Handwerker-Website erstellen lassen.
1. 90 Prozent recherchieren vor dem ersten Kontakt online
Nach einer 2025 veröffentlichten Erhebung recherchieren 90 Prozent der Kunden online, bevor sie einen Handwerker kontaktieren. Die Online-Präsenz ist damit der Filter, den fast jede Anfrage durchläuft.
In den BrightLocal Local SEO Statistics 2026 geben 46 Prozent der Verbraucher an, ihre lokale Suche „immer“ oder „oft“ um „in der Nähe“ („near me“) zu ergänzen. Genau diese Suche entscheidet bei Handwerkern über die ersten zwei oder drei Anrufe pro Woche.
Wer in dieser Phase nicht auftaucht oder nur mit einer veralteten Seite, verliert die Anfrage, bevor das Telefon klingelt.
Dazu kommt: Laut StatCounter läuft in Deutschland inzwischen über die Hälfte der Website-Besuche über Smartphones. Verlangt eine Seite auf dem Handy schon beim ersten Antippen Zoomen oder seitliches Scrollen, sind Interessenten in den ersten Sekunden wieder weg, egal wie gut das Google-Ranking ist. Warum mobile Optimierung zum Pflichtprogramm gehört, zeige ich in Website auf dem Handy: Mobile Optimierung.
2. 94 Prozent der Handwerksbetriebe haben eine Website
Inzwischen haben 94 Prozent der Handwerksbetriebe eine Website (Bitkom Handwerk-Studie 2025, 504 Betriebe befragt).
Für Sie heißt das: Kunden vergleichen heute vor allem gepflegte mit veralteten Websites. Wer online keine glaubwürdige Visitenkarte zeigt, fällt in der Wahrnehmung zurück.
Auch die Konjunktur spielt mit: Laut ZDH-Konjunkturbericht zum zweiten Quartal 2025 hat sich das Geschäftsklima im Handwerk gegenüber dem Vorjahr spürbar erholt. Wer jetzt online sichtbar ist, fängt die anziehende Nachfrage zuerst auf.
3. KI-Suche und GEO für Handwerksbetriebe
Bis vor zwei Jahren hieß „online gefunden werden“ fast immer Google. Das ändert sich: Immer mehr Menschen stellen ihre Frage direkt ChatGPT, Perplexity oder Google Gemini. Die Frage „Welcher Elektriker in Bielefeld arbeitet auch für Gewerbe?“ beantworten diese Systeme direkt, ohne dass jemand eine klassische Suchergebnisseite aufruft. Die Arbeit an dieser Sichtbarkeit heißt GEO (Generative Engine Optimization): Die Website wird so aufbereitet, dass KI-Systeme ihre Angaben finden, verstehen und als Quelle nutzen können.
In meiner OWL-Website-Studie stellen nur 2,7 Prozent der 21.158 analysierten Websites eine llms.txt-Datei bereit. Die Datei ist ein noch junger Vorschlag, der KI-Systemen eine kompakte Übersicht der Website anbietet. Ob die großen Anbieter sie auswerten, ist bisher offen. Die konkreten Werte für die einzelnen Gewerke stehen in der Handwerker-Studie OWL.
Der Vorteil: Wer 2026 eine Website mit strukturierten Leistungsdaten, sauberen Ortsangaben und echten Referenzen aufbaut, liefert KI-Systemen genau die Angaben, die sie für eine Antwort brauchen. In meiner OWL-Studie hatte mehr als die Hälfte der Websites gar kein Schema-Markup. Wie sich eine Seite gezielt darauf vorbereiten lässt, beschreibe ich in KI-Readiness für lokale Unternehmen.
Ob sich das rechnet, lässt sich einfach überschlagen: Teilen Sie die Kosten der Website durch den Deckungsbeitrag eines typischen Auftrags. Das Ergebnis ist die Zahl zusätzlicher Aufträge, ab der sich die Seite bezahlt gemacht hat. Bei größeren Aufträgen kann das schon eine einzige Anfrage sein. Mehr dazu im Artikel Kundengewinnung für Handwerker online.
4. Drei Hebel, die bei Handwerker-Websites am stärksten ziehen
Ob eine Seite Anfragen bringt oder nur online steht, entscheiden in der Praxis fast immer drei Punkte:
1. Die Telefonnummer prominent und in einem Klick anrufbar. Die meisten Handwerksanfragen sind kurzfristig. Wer auf dem Handy zwei Klicks bis zur Nummer braucht, verliert die Anfrage. Eine klickbare „tel:“-Nummer oben rechts in der Navigation ist deshalb Pflicht.
2. Echte Vorher-Nachher-Fotos der eigenen Arbeit. Stockbilder kosten Vertrauen. Ein paar gute Fotos vom eigenen Maler-Auftrag oder der frisch installierten Heizungsanlage wirken stärker als jedes generische Werbebild.
3. Klare Service-Region. „Wir arbeiten in Detmold und Umkreis 30 Kilometer“ ist konkreter als „bundesweit“ und hilft Google beim lokalen Ranking deutlich. Ein eingebundener Google-Maps-Ausschnitt mit Pin signalisiert zusätzlich Standort-Verankerung.
5. So messen Sie, ob sich Ihre Website lohnt
Ob sich eine Website rechnet, zeigen erst Ihre eigenen Zahlen. Drei Schritte helfen beim Einstieg:
- Anrufquote festhalten. Notieren Sie eine Woche lang, wie viele Anfragen über Empfehlung kommen und wie viele über Google. Das ist Ihre Basislinie.
- Google-Unternehmensprofil aktivieren oder pflegen. Das ist kostenlos und der schnellste Hebel. Details stehen im Artikel Google Business Profil optimieren.
- Website prüfen lassen. Nicht jede Seite braucht einen kompletten Relaunch. Manchmal reichen zwei Tage für Fotos, Texte und technische Pflege. Ich schaue mir Ihre Seite gerne unverbindlich an: über das 2-Minuten-Check-Formular oder direkt per Kontaktformular.
Wie viele Besucher hat Ihre Website? Eine allgemeingültige Besucherzahl für Handwerker-Websites nenne ich hier bewusst nicht. Gewerk, Einzugsgebiet und Saison verschieben die Werte zu stark, und ein Durchschnitt aus einer anderen Region sagt über Ihren Betrieb wenig. Aussagekräftiger ist Ihre eigene Zahl im Zeitverlauf. Drei Quellen zeigen sie Ihnen (Stand: September 2026):
- Google Search Console: Der Leistungsbericht zeigt Klicks, Impressionen, Klickrate und durchschnittliche Position Ihrer Website in der Google-Suche, aufteilbar nach Suchanfragen und Seiten. Standardmäßig sehen Sie die letzten drei Monate.
- Google-Unternehmensprofil: Unter „Leistung“ sehen Sie für einen gewählten Zeitraum unter anderem Aufrufe, Suchanfragen, Anrufe, Websiteklicks und Wegbeschreibungen (Google-Hilfe zur Profilleistung).
- Statistik-Tool auf der Website: Die Search Console zählt nur Klicks aus der Google-Suche. Wer alle Besuche sehen will, auch über direkte Eingabe, Links oder den QR-Code auf der Visitenkarte, braucht ein Statistik-Tool auf der eigenen Website, etwa Matomo oder Google Analytics.
Für eine erste Deutung reicht eine Faustregel: Viele Impressionen, aber kaum Klicks deuten auf Titel und Beschreibungen, die in der Suche nicht überzeugen. Kommen Besucher, aber keine Anfragen, liegt es eher an Inhalten und Kontaktweg. Typische Ursachen zeigt der Artikel 10 Fehler auf Handwerker-Websites. Legen Sie die Werte neben Ihre Anfrageliste aus Schritt 1, dann sehen Sie, ob aus Besuchern Aufträge werden.
Was Sie konkret tun können
Eine Website lohnt sich nicht, wenn sie schlecht gemacht ist und nur online steht. Ist sie dagegen auf lokale Suche, klare Kontaktwege und echte Fotos ausgerichtet, lohnt sie sich fast immer, auch bei realistisch ein bis zwei zusätzlichen Anfragen pro Monat.
Wenn Sie sich für eine Website entschieden haben: Aufbau, Pflichtinhalte und Kosten für Handwerksbetriebe stehen im Leitfaden Handwerker-Website erstellen lassen. Allgemeine Preisspannen finden Sie unter Was kostet eine Website 2026?, den Hintergrund zu lokaler Suche und KI-Sichtbarkeit im Artikel Warum eine Website für lokale Unternehmen heute unverzichtbar ist.
Quellen
Verwendete Studien & Daten
- Bitkom e. V.: Handwerk-Studie 2025: Website & digitale Services
- itiko.de: Handwerk-Studie 2025: 90 Prozent Online-Recherche
- BrightLocal: 35+ Local SEO Statistics 2026
- Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH): Konjunkturbericht 2. Quartal 2025
- StatCounter GlobalStats: Mobile vs. Desktop Traffic Germany
- Google Search Console-Hilfe: Leistungsbericht (Google-Suchergebnisse)
- Google Unternehmensprofil-Hilfe: Leistung Ihres Unternehmensprofils prüfen
- Eigene OWL-Website-Studie: 27.025 Unternehmen, 21.158 Websites, 17 Branchen, siehe Website-Studie OWL und Handwerker-Studie OWL.