Wie gut sind die Websites kleiner und mittelständischer Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe wirklich? Ich wollte es genau wissen — und habe 27.025 Unternehmen in der Region unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: ein Datensatz mit 21.158 analysierten Websites aus 17 Branchen und über 15 Städten, der ein ungeschminktes Bild der digitalen Landschaft in OWL zeichnet.
Die Daten stammen aus Google Places, WLW, Gelbe Seiten, 11880 und weiteren Branchenverzeichnissen. Im ersten Quartal 2026 habe ich jede dieser Websites automatisiert auf HTTPS, Mobilfähigkeit, SEO-Grundlagen, Schema-Markup, KI-Readiness, CMS und Ladezeit geprüft. Dieser Artikel zeigt die Kernergebnisse. Detailanalysen zu einzelnen Themen folgen in separaten Artikeln.
Die Zahlen im Überblick
27.025
Unternehmen erfasst
21.158
Websites analysiert
4,16 ★
Ø Google-Bewertung
17
Branchen, 15+ Städte
45,7
Ø AI-Readiness (/100)
2,7 %
mit llms.txt
Von den 27.025 erfassten Unternehmen haben 21.158 eine Website — das sind 78,3 %. Die restlichen 5.867 Betriebe sind ausschließlich über Google Business, Branchenverzeichnisse oder gar nicht online sichtbar. Für die technische Analyse wurden nur Websites mit erreichbarer Startseite berücksichtigt.
Sicherheit und Technik
Die grundlegendste technische Frage: Ist die Verbindung verschlüsselt? Seit Jahren markieren Browser unverschlüsselte Seiten als unsicher, Google wertet HTTPS als Ranking-Signal. Trotzdem zeigen die Daten eine klare Lücke.
HTTPS-Verschlüsselung
5.085 Websites (24 %) laufen ohne HTTPS. Jede vierte Unternehmenswebsite in OWL wird von Browsern als „Nicht sicher" gekennzeichnet. Let's-Encrypt-Zertifikate sind seit Jahren kostenlos. Dass fast ein Viertel der Websites noch unverschlüsselt ist, deutet auf fehlendes Hosting-Management hin — nicht auf fehlende Budgets.
Mobiloptimierung
23 % der Websites haben kein Viewport-Tag — die Grundvoraussetzung, damit eine Seite auf Smartphones korrekt dargestellt wird. In meiner täglichen Arbeit sehe ich die Folgen: Texte zu klein, Buttons nicht treffbar, Nutzer zoomen und scrollen und geben auf. Über 60 % aller Suchanfragen kommen heute vom Handy. Eine Website ohne mobile Optimierung verliert diese Besucher sofort.
Ladezeit und Seitengröße
Die durchschnittliche Antwortzeit liegt bei 0,85 Sekunden. Das klingt ordentlich — aber 5 % der analysierten Sites antworten erst nach über 3 Sekunden. Bei diesen Seiten springen laut Google-Studien bereits 53 % der mobilen Nutzer ab. Die mittlere Seitengröße beträgt 129 KB. 1 % der Websites liefert über 1 MB auf der Startseite — meist durch nicht optimierte Bilder. Wer seine Ladezeit verbessern will, startet am besten genau dort.
SEO-Grundlagen: Viel ungenutztes Potenzial
SEO-Grundlagen sind kein Hexenwerk — eine Meta-Description, eine Sitemap und saubere Bildbeschreibungen gehören zum Einmaleins. Die Zahlen zeigen, dass diese Basics bei der Mehrheit fehlen.
- 45 % ohne Meta-Description — das Snippet, das in den Google-Ergebnissen erscheint und entscheidet, ob jemand klickt
- 64 % ohne Sitemap.xml — ohne Sitemap crawlt Google langsamer und findet Unterseiten schlechter
- 53 % ohne Schema-Markup — strukturierte Daten, die Google (und KI-Assistenten) helfen, Inhalte zu verstehen
- 59 % ohne Alt-Texte — Bildbeschreibungen, die sowohl für SEO als auch für Barrierefreiheit relevant sind
- 50 % ohne Open Graph — wenn jemand die Seite auf Social Media teilt, fehlt die Vorschau
- 32 % ohne robots.txt — ohne klare Anweisungen an Suchmaschinen, was indexiert werden soll
Das Gesamtbild: Mehr als die Hälfte der Unternehmenswebsites in OWL verschenkt grundlegendes SEO-Potenzial. Nicht durch fehlende Budgets für teure Agenturen, sondern durch fehlende Grundkonfiguration. Wer diese sechs Punkte abarbeitet, ist der Mehrheit der lokalen Konkurrenz technisch voraus. Eine detaillierte Auswertung mit Branchenvergleichen folgt im SEO-Deep-Dive für OWL. Wer wissen möchte, wie die eigene Seite abschneidet, findet auf meiner SEO-Seite den Einstieg.
KI-Readiness: 97 % nicht vorbereitet
ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews — KI-gestützte Suche
wird zur Normalität. Ob eine Website von diesen Systemen korrekt
erfasst und zitiert wird, hängt von messbaren Kriterien ab:
Schema-Markup, strukturierte Inhalte, eine
llms.txt und klare Informationsarchitektur.
Der durchschnittliche AI-Readiness-Score in OWL liegt bei 45,7 von 100 Punkten. Die Verteilung:
- 30 % der Websites scoren unter 25 — diese werden von KI-Systemen kaum verwertbar erfasst
- 22 % liegen zwischen 26 und 50
- 34 % erreichen 51 bis 75 — eine solide Basis, aber mit Lücken
- Nur 14 % kommen auf über 75 Punkte
Am deutlichsten zeigt sich die Lücke bei llms.txt:
Nur 564 von 21.158 Websites (2,7 %) stellen diese Datei bereit,
mit der KI-Systeme die wichtigsten Informationen einer Website
strukturiert abrufen können. In Kombination mit den 53 %, die
kein Schema-Markup nutzen, ergibt sich: Die große Mehrheit der
Unternehmen in OWL ist für die nächste Generation der Suche
nicht aufgestellt.
Die vollständige KI-Analyse mit Branchenvergleich und konkreten Handlungsempfehlungen folgt im Artikel KI-Readiness in OWL. Was KI-Readiness konkret bedeutet, erkläre ich auf der Seite zu KI-Readiness für Unternehmen.
CMS-Landschaft: WordPress dominiert, Divi regiert
Bei den eingesetzten Content-Management-Systemen gibt es einen klaren Platzhirsch — und eine Überraschung bei der Verteilung innerhalb dieses Systems.
Die großen Drei
- WordPress: 6.457 Websites (30,5 %) — davon nutzen 5.260 (81,5 %) das Divi-Theme. Ein einzelnes Theme dominiert fast ein Drittel aller CMS-Installationen in OWL
- TYPO3: 453 Websites — stark vertreten bei größeren Mittelständlern und Institutionen
- Joomla: 228 Websites — rückläufig, oft ältere Installationen
Weitere Systeme
- Contao: 169 — regionale Stärke, vermutlich durch lokale Agenturen
- Vue.js: 144 | React: 68 | Nuxt: 37 | Next.js: 35 — moderne Frameworks noch in der Nische
- FrontPage: 55 | NVU: 64 | Dreamweaver: 5 — Legacy-Tools, teilweise seit 15+ Jahren nicht aktualisiert
Die WordPress-Divi-Dominanz hat Konsequenzen: Divi-Sites zeigen in meinen Analysen überdurchschnittlich große Seitengrößen und häufig veraltete Plugin-Versionen. Die 55 FrontPage-Seiten und 64 NVU-Seiten stammen aus einer Ära, in der responsive Design noch nicht existierte. Der ausführliche CMS-Report mit Performance-Vergleichen folgt im Artikel CMS-Studie OWL.
Branchen-Ranking: Wer führt, wer hinkt
17 Branchen habe ich erfasst. Die Unterschiede zwischen den digital am besten aufgestellten und den schwächsten Branchen betragen beim AI-Readiness-Score über 30 Punkte.
| Branche | n | HTTPS % | Schema % | AI-Score Ø |
|---|---|---|---|---|
| Bildung & Schulung | 387 | 89 % | 62 % | 75,7 |
| IT & Technik | 1.241 | 91 % | 58 % | 69,0 |
| Fitness & Gesundheit | 892 | 84 % | 55 % | 67,5 |
| Immobilien | 614 | 82 % | 51 % | 58,3 |
| Recht & Steuer | 1.087 | 81 % | 54 % | 55,1 |
| Handwerk | 6.534 | 73 % | 41 % | 46,0 |
| Einzelhandel | 2.718 | 74 % | 44 % | 44,2 |
| Dienstleistungen | 3.146 | 75 % | 43 % | 43,8 |
| KFZ & Mobilität | 1.328 | 68 % | 38 % | 39,6 |
| Gastronomie | 1.543 | 66 % | 35 % | 39,3 |
| Schönheit & Pflege | 1.668 | 65 % | 32 % | 38,7 |
Handwerk ist mit 6.534 analysierten Websites die mit Abstand größte Branche im Datensatz. Der AI-Readiness-Score von 46,0 liegt knapp über dem Gesamtdurchschnitt — bei einer HTTPS-Quote von nur 73 % und 41 % Schema-Abdeckung. Das bedeutet konkret: In der größten Branchengruppe haben tausende Betriebe Nachholbedarf bei technischen Grundlagen. Gleichzeitig ist hier der Hebel am größten — wer als Handwerksbetrieb heute seine Website auf Stand bringt, hebt sich schnell von der lokalen Konkurrenz ab.
Die Branche Bildung & Schulung führt mit einem Score von 75,7 deutlich. Möglicherweise liegt das an der Nähe zur Universität Paderborn und den Hochschulen in der Region, die Standards nach oben ziehen. Am unteren Ende stehen Schönheit & Pflege (38,7) und Gastronomie (39,3) — Branchen, die stark auf Google Maps und Social Media setzen und die eigene Website oft vernachlässigen.
Den vollständigen Handwerker-Report mit Gewerke-Auswertung finden Sie im Artikel Handwerker-Websites in OWL.
Stadt-Ranking: Paderborn vor Bielefeld
Gibt es regionale Unterschiede innerhalb von OWL? Ja. Die Daten zeigen Schwankungen beim AI-Readiness-Score von bis zu 6 Punkten zwischen den Städten.
| Stadt | n | HTTPS % | Schema % | AI-Score Ø |
|---|---|---|---|---|
| Paderborn | 2.847 | 80 % | 52 % | 49,1 |
| Minden | 1.634 | 79 % | 51 % | 49,0 |
| Bielefeld | 5.892 | 79 % | 49 % | 48,5 |
| Detmold | 1.287 | 77 % | 48 % | 47,3 |
| Herford | 1.541 | 76 % | 46 % | 46,1 |
| Gütersloh | 2.103 | 73 % | 43 % | 43,4 |
Paderborn liegt mit 49,1 Punkten knapp vorn. Der Standort der Universität und eine vergleichsweise hohe Dichte an IT-Unternehmen könnten diesen Vorsprung erklären. Bielefeld bringt als größte Stadt in OWL die meisten Websites mit (5.892), liegt beim Score aber im Mittelfeld. Gütersloh bildet unter den großen Städten das Schlusslicht.
Auffällig: Die Unterschiede zwischen den Städten sind deutlich kleiner als zwischen den Branchen. Ein Friseur in Paderborn hat eine ähnliche Website wie ein Friseur in Bielefeld — aber eine völlig andere als ein IT-Dienstleister in derselben Stadt.
Google-Bewertungen: 4,16 Sterne im Schnitt
Neben den technischen Daten habe ich auch die Google-Bewertungsprofile der 27.025 Unternehmen erfasst. Insgesamt fließen 24.891 Bewertungen in die Auswertung ein.
- Durchschnitt: 4,16 Sterne — ein solider Wert, der zeigt, dass OWL-Unternehmen bei ihren Kunden gut ankommen
- 33 % haben volle 5,0 Sterne — häufig Betriebe mit wenigen, aber durchweg positiven Bewertungen
- 18 % liegen unter 4,0 — ab diesem Wert sinkt die Klickrate in den Suchergebnissen messbar
Was mir bei der Datenauswertung aufgefallen ist: Unternehmen mit guten Bewertungen haben überdurchschnittlich oft auch eine bessere Website. Das ist keine Kausalität — aber ein Muster. Wer sein Google-Profil pflegt, kümmert sich tendenziell auch um den Webauftritt. Wer das Thema Bewertungen systematisch angehen möchte, findet im Artikel Google-Bewertungen richtig nutzen konkrete Schritte.
Ein guter Google-Auftritt allein reicht aber nicht. Wenn der Interessent nach dem Lesen einer 5-Sterne-Bewertung auf eine langsame, unverschlüsselte Website ohne klare Kontaktmöglichkeit gelangt, war die Bewertung umsonst.
Was das für Ihr Unternehmen bedeutet
Die Daten zeigen: Die Mehrheit der Websites in OWL hat bei technischen Grundlagen Nachholbedarf. Das ist keine abstrakte Statistik — es betrifft konkrete Unternehmen, die über ihre Website Kunden gewinnen wollen. Die gute Nachricht: Viele dieser Punkte lassen sich mit überschaubarem Aufwand beheben.
Mein 5-Punkte-Quick-Check für Ihre Website:
- HTTPS prüfen — Steht ein Schloss-Symbol in der Adressleiste Ihres Browsers? Falls nicht, sprechen Sie Ihren Hosting-Anbieter an. SSL-Zertifikate via Let's Encrypt sind kostenlos
- Handy-Test machen — Öffnen Sie Ihre Website auf dem Smartphone. Sind Texte lesbar, Buttons treffbar, Bilder korrekt skaliert?
- Meta-Description kontrollieren — Googeln Sie den Namen Ihres Unternehmens. Steht unter dem Link ein aussagekräftiger Text, oder ein abgeschnittener Satzanfang?
- Schema-Markup einrichten — Prüfen Sie mit dem Google Rich Results Test, ob Ihre Seite strukturierte Daten liefert. Falls nicht: LocalBusiness-Schema ist der wichtigste erste Schritt
- Bewertungen im Blick behalten — Antworten Sie auf Google-Bewertungen? Haben Sie einen Prozess, zufriedene Kunden um eine Bewertung zu bitten?
Wie steht Ihre Website im Vergleich? Ich schaue mir das kostenlos für Sie an — mit einem individuellen Website-Audit, das Ihnen zeigt, wo Ihre Seite steht und welche Maßnahmen den größten Effekt hätten.
Methodik
Transparenz gehört zu einer seriösen Analyse. Hier die Details zur Datenerhebung und zu den Grenzen dieser Studie.
Quellen
Die 27.025 Unternehmen stammen aus folgenden Verzeichnissen: Google Places API, Wer liefert was (WLW), Gelbe Seiten, 11880, Branchenbuch.de sowie regionalen Verzeichnissen. Duplikate wurden über Domain-Matching und Firmenname bereinigt.
Zeitraum und Tools
Die Datenerhebung fand im ersten Quartal 2026 statt (Januar bis März). Die technische Analyse erfolgte automatisiert mit BeautifulSoup (HTML-Parsing) und Lighthouse (Performance-Metriken). Jede Website wurde einmalig abgerufen und zum Zeitpunkt des Abrufs ausgewertet.
Limitierungen
- Nur die Startseite wurde analysiert — keine Unterseiten, keine internen Links. Eine Website mit schlechter Startseite kann gute Unterseiten haben (und umgekehrt)
- Einmaliger Abruf — Server-Ausfälle, Wartungsfenster oder CDN-Probleme zum Zeitpunkt des Scans können Einzelergebnisse verzerren
- Keine bezahlten SEO-Tools — die Analyse basiert auf frei verfügbaren Signalen (HTTP-Header, HTML-Quelltext, Response-Zeiten), nicht auf Tools wie Ahrefs oder Semrush
- CMS-Erkennung per HTML-Signatur — Seiten, die ihre CMS-Spuren vollständig entfernen, werden als „nicht erkannt" gewertet
- Keine Bewertung der Inhaltsqualität — ob Texte gut geschrieben oder aktuell sind, kann automatisiert nicht zuverlässig beurteilt werden
Trotz dieser Einschränkungen liefert der Datensatz ein repräsentatives Bild der technischen Website-Qualität in OWL. Die Stichprobe von 21.158 analysierten Sites deckt den Großteil der regional aktiven Unternehmen ab.