„Meine Kunden kommen alle über Empfehlungen" — das höre ich oft. Und ja, Mundpropaganda funktioniert. Aber sie lässt sich nicht steuern, nicht skalieren und schon gar nicht planen. Wenn der Auftragskalender mal drei Wochen leer bleibt, hilft kein guter Ruf von vor zwei Jahren.
Die Realität: Wer heute einen Handwerker braucht, greift zum Smartphone und tippt „Elektriker Herford" oder „Maler Detmold" bei Google ein. Wenn Ihr Betrieb dort nicht auftaucht, existieren Sie für diese Kunden schlicht nicht.
Die gute Nachricht: Sie müssen kein Marketing-Experte werden. Sieben Wege reichen aus, um als Handwerksbetrieb online sichtbar zu werden — manche davon kosten nichts, manche brauchen etwas Zeit. Hier ist meine Einschätzung, sortiert nach Aufwand und Wirkung.
Kostenlose Sofortmaßnahmen: Google Business & Bewertungen
1. Google Business Profil — kostenlos, sofort wirksam
Das Google Business Profil (früher Google My Business) ist der wichtigste Kanal für lokale Handwerksbetriebe. Kostenlos. In 30 Minuten eingerichtet. Und sofort wirksam, weil Google Ihr Profil bei lokalen Suchanfragen direkt in der Karte anzeigt — noch vor den normalen Suchergebnissen.
Ein Dachdeckerbetrieb in Herford hat mir erzählt, dass allein über sein Google Business Profil fünf neue Anfragen pro Monat kommen — ohne Website, ohne Werbung, nur durch ein vollständiges Profil mit aktuellen Fotos und Öffnungszeiten. Fünf Anfragen klingt wenig, aber für einen Zwei-Mann-Betrieb ist das ein voller Monat.
Aufwand: Einmalig 30-60 Minuten, dann monatlich
10 Minuten für neue Fotos und Beiträge.
Kosten: 0 EUR.
Für wen: Jeden Handwerksbetrieb ohne Ausnahme.
2. Google-Bewertungen aktiv sammeln
Bewertungen sind der digitale Flurfunk. 87 % der Verbraucher lesen Online-Bewertungen, bevor sie einen lokalen Dienstleister kontaktieren. Und Google belohnt Betriebe mit vielen guten Bewertungen mit besserer Sichtbarkeit.
Das Prinzip ist einfach: Nach jedem abgeschlossenen Auftrag den Kunden um eine Bewertung bitten. Per Bewertungslink, den Sie direkt aus Ihrem Google Business Profil generieren können. Mehr dazu im Artikel Google-Bewertungen richtig nutzen.
Aufwand: 2 Minuten pro Auftrag.
Kosten: 0 EUR.
Wirkung: Mittel- bis langfristig, aber
nachhaltig.
Der beste Auftrag ist der, der über Google kommt — weil der Kunde Sie bereits gesucht hat und sich bewusst für Sie entschieden hat.
Ihre eigene Website als Zentrale
3. Eigene Website mit Kontaktformular
Ein Google Business Profil bringt Sichtbarkeit — aber keine Kontrolle. Ihre eigene Website ist der Ort, an dem Sie bestimmen, was Kunden über Ihren Betrieb erfahren. Hier zeigen Sie Referenzen, erklären Ihre Leistungen und machen es dem Kunden leicht, Sie zu kontaktieren.
Wichtig dabei: Die Seite muss auf dem Smartphone funktionieren, schnell laden und ein Kontaktformular haben. Kein Besucher wird Ihre Telefonnummer abtippen, wenn er sie nicht antippen kann. Und kein Kunde wird eine Seite abwarten, die fünf Sekunden zum Laden braucht.
Aufwand: Einmalig — danach pflegen Sie nur noch
Referenzfotos nach.
Kosten: Ab 250 EUR für eine professionelle
Onepager-Website.
Für wen: Jeden Betrieb, der ernsthaft Kunden
gewinnen will. Mehr dazu unter
Webdesign.
4. Lokales SEO — für „Elektriker Bielefeld" gefunden werden
SEO klingt nach Technik-Kram, bedeutet aber im Kern nur: Ihre Website so aufbauen, dass Google versteht, was Sie anbieten und wo Sie es anbieten. Wenn jemand „Fliesenleger Paderborn" googelt, soll Ihre Seite auftauchen — nicht die vom Betrieb drei Städte weiter.
Dafür braucht es keine Magie, sondern saubere Seitenstruktur, die richtigen Begriffe in Überschriften und Texten, und strukturierte Daten für Google. Details dazu finden Sie unter SEO für lokale Unternehmen.
Aufwand: Teil einer guten Website-Erstellung,
danach laufende Pflege.
Kosten: In einer professionellen Website
enthalten.
Wirkung: Langfristig der stärkste Kanal.
Sichtbarkeit in sozialen Medien
5. Social Media — Instagram und Facebook für Referenzfotos
Kein Handwerker muss täglich posten oder TikTok-Trends mitmachen. Aber: Vorher/Nachher-Fotos auf Instagram oder Facebook zeigen Ihre Arbeit besser als jeder Text. Und sie erreichen Menschen, die gerade nicht aktiv suchen — aber sich merken, wer den schönen Flur gestrichen hat.
Ein Malerbetrieb in Ostwestfalen-Lippe macht das konsequent: Nach jedem größeren Projekt ein Vorher/Nachher-Bild auf Instagram. Kein aufwändiges Video, kein perfekter Text — nur das Ergebnis. Darüber kommen regelmäßig Anfragen, weil Nachbarn und Bekannte die Bilder sehen und weiterleiten.
Aufwand: 15 Minuten pro Woche, wenn Sie ohnehin
Fotos machen.
Kosten: 0 EUR (organisch).
Für wen: Gewerke mit sichtbaren Ergebnissen —
Maler, Tischler, Garten- und Landschaftsbau, Fliesenleger.
Branchenverzeichnisse und Handwerker-Portale
6. Branchenverzeichnisse — Gelbe Seiten, 11880, Das Örtliche
Klingt altmodisch, hat aber einen konkreten Nutzen: Jeder Eintrag in einem seriösen Verzeichnis ist ein Signal an Google, dass Ihr Betrieb existiert und an einem bestimmten Ort tätig ist. Diese sogenannten „Citations" stärken Ihr lokales Ranking.
Der Basiseintrag ist bei den meisten Verzeichnissen kostenlos. Achten Sie darauf, dass Name, Adresse und Telefonnummer überall identisch sind — Abweichungen verwirren Google.
Aufwand: Einmalig 1-2 Stunden für die
wichtigsten Verzeichnisse.
Kosten: 0 EUR (Basiseinträge).
Für wen: Alle — als Ergänzung zum Google
Business Profil.
7. Handwerker-Portale — MyHammer, Check24 (mit Vorbehalt)
Portale wie MyHammer oder Check24 Profis versprechen Aufträge. Und ja, sie liefern Anfragen. Aber: Die Kunden dort vergleichen vor allem den Preis. Sie konkurrieren mit Dutzenden anderen Betrieben um denselben Auftrag, und die Marge schrumpft.
Meine Einschätzung: Portale können am Anfang helfen, um Leerlauf zu überbrücken. Aber sie sollten nie der einzige Kanal sein. Wer langfristig gute Kunden will, baut sich eigene Sichtbarkeit auf — über Google, die eigene Website und Bewertungen.
Aufwand: Hoch — jede Anfrage braucht ein
individuelles Angebot.
Kosten: Provision oder Credits pro Anfrage.
Für wen: Betriebe mit Kapazitätslücken, nicht
als Dauerlösung.
Womit anfangen?
Nicht mit allem gleichzeitig. Der sinnvollste Startpunkt für die meisten Handwerksbetriebe:
- Google Business Profil einrichten — heute noch, in 30 Minuten erledigt
- Website mit Kontaktformular — als digitale Visitenkarte und Anlaufstelle
- Nach jedem Auftrag um eine Bewertung bitten — dauert 2 Minuten, wirkt jahrelang
Alles andere — SEO-Optimierung, Social Media, Branchenverzeichnisse — kommt danach, Schritt für Schritt. Nicht auf einmal, sondern so, dass es in den Arbeitsalltag passt.
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Betrieb online gerade steht und was der nächste sinnvolle Schritt wäre: Ich schaue mir Ihre Situation gerne unverbindlich an. Entweder über einen kostenlosen Website-Audit oder ein kurzes Gespräch.