Handwerker-Websites in OWL: Große Branche, große Lücken

Fast 8.000 Handwerksbetriebe in Ostwestfalen-Lippe — und die meisten verschenken online Potenzial. Meine Analyse von 6.534 Websites zeigt, wo genau es hakt.

Praxis Ravel-Lukas Geck / geckIT Webdesign 10 Min. Lesezeit
Handwerker auf einer Baustelle — Symbolbild für die Handwerksbranche in OWL
Foto: Josh Olalde / Unsplash

Das Handwerk ist mit Abstand die größte Branche in Ostwestfalen-Lippe — fast 8.000 Betriebe. Dachdecker, Elektriker, Maler, Tischler, Sanitärinstallateure. Sie bauen Häuser, renovieren Bäder und halten unsere Infrastruktur am Laufen. Gleichzeitig zeigt meine Analyse von 6.534 Handwerker-Websites: Digital hinkt die Branche den meisten anderen hinterher.

Dieser Artikel ist Teil meiner großen OWL-Studie mit über 27.000 analysierten Websites. Hier zoome ich auf das Handwerk — die Branche, mit der ich am häufigsten arbeite und deren Probleme ich aus der Praxis kenne.

Das Handwerk in Zahlen

7.779

Handwerksbetriebe in OWL

6.534

analysierte Websites

46,0

AI-Readiness (Ø)

75 %

mit HTTPS

47 %

mit Schema-Markup

38 %

mit Sitemap

Von den knapp 7.800 Handwerksbetrieben in OWL hatten 6.534 eine Website, die ich technisch auswerten konnte. Die restlichen Betriebe haben entweder keine eigene Website oder nur eine Social-Media-Seite. Die Zahlen sind ernüchternd — aber nicht überraschend.

Jede vierte Website ohne HTTPS

25 % der Handwerker-Websites in OWL laufen ohne HTTPS. Das heißt: Die Verbindung zwischen Browser und Website ist unverschlüsselt. Was das bedeutet?

  • Browser wie Chrome zeigen eine „Nicht sicher"-Warnung in der Adressleiste. Für potenzielle Kunden ein sofortiges Vertrauenssignal — in die falsche Richtung.
  • Google berücksichtigt HTTPS als Ranking-Faktor. Ohne HTTPS starten Sie mit einem Handicap in den Suchergebnissen.
  • Kontaktformulare ohne HTTPS übertragen Daten im Klartext. Das ist nicht nur unsicher, sondern auch datenschutzrechtlich problematisch.

Zum Vergleich: In der IT-Branche nutzen 95 % der Websites HTTPS. Im Gesundheitswesen sind es 87 %. Das Handwerk liegt mit 75 % deutlich unter dem Branchenschnitt.

Dabei ist HTTPS seit Jahren kostenlos verfügbar — Let's Encrypt stellt Zertifikate gratis aus. Die meisten Hoster bieten die Umstellung mit einem Klick an. Es gibt keinen technischen Grund mehr, darauf zu verzichten.

Jede vierte nicht mobiloptimiert

24 % der Handwerker-Websites haben keinen Viewport-Tag — sie sind nicht für Smartphones optimiert. In einer Branche, in der potenzielle Kunden fast ausschließlich mobil suchen, ist das ein gravierendes Problem.

Stellen Sie sich das so vor: Jemand in Detmold sucht nach „Elektriker Notdienst". Die Person steht im Dunkeln, das Handy in der Hand. Ihre Website lädt — aber die Schrift ist winzig, die Buttons kaum treffbar, der Inhalt ragt über den Bildschirm hinaus. Die Person tippt auf „Zurück" und ruft den nächsten Treffer an.

In meiner Arbeit mit Handwerksbetrieben in der Region sehe ich das regelmäßig. Ein Sanitärbetrieb in Herford hatte eine aufwendig gestaltete Desktop-Seite — aber auf dem Handy war die Telefonnummer erst nach dreimal Scrollen und Zoomen zu finden. Die Umstellung auf ein responsives Design hat seine Anfragen innerhalb von vier Wochen verdoppelt.

Google indexiert seit 2019 mobile-first. Eine nicht mobiloptimierte Website wird in den Suchergebnissen systematisch heruntergestuft — unabhängig davon, wie gut der Desktop-Auftritt aussieht.

SEO-Basics: Die unsichtbare Mehrheit

Die größten Lücken im Handwerk liegen bei den Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung. Drei Zahlen stechen heraus:

  • 53 % ohne Schema-Markup — Mehr als die Hälfte der Handwerker-Websites liefern Google und KI-Suchmaschinen keine strukturierten Daten. Keine Öffnungszeiten, kein Einzugsgebiet, keine Bewertungen im maschinenlesbaren Format.
  • 62 % ohne Sitemap — Ohne sitemap.xml muss Google raten, welche Seiten existieren. Besonders bei Websites mit mehreren Leistungsseiten bedeutet das: Seiten werden gar nicht oder erst nach Monaten indexiert.
  • 57 % ohne Blog oder Content-Bereich — Kein redaktioneller Inhalt heißt: keine thematische Autorität, keine Long-Tail-Keywords, keine Antworten auf Fragen, die potenzielle Kunden bei Google eingeben.

Wer als Handwerker bei Google gefunden werden will, braucht mindestens Schema-Markup und eine Sitemap. Das sind keine Premium-Features — das sind die Basics. Ein Tischler in Bielefeld, für den ich letztes Jahr eine Website gebaut habe, wurde nach dem Hinzufügen von LocalBusiness-Schema und einer sauberen Sitemap innerhalb von drei Wochen im Local Pack angezeigt — vorher war er auf Seite 4.

Handwerker prüft Smartphone auf der Baustelle — mobil gefunden werden
Foto: ThisisEngineering / Unsplash

KI-Readiness: Was Handwerkern entgeht

Der AI-Readiness-Score misst, wie gut eine Website für KI-Suchmaschinen wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews aufbereitet ist. Er berücksichtigt unter anderem Schema-Markup, strukturierte Inhalte, Sitemap und llms.txt.

Handwerk: Durchschnitt 46,0 von 100.

Zum Vergleich: Die IT-Branche liegt bei 69,0. Der Gesamtdurchschnitt aller Branchen in OWL bei 51,3. Das Handwerk schneidet also nicht nur schlechter ab als die Spitzenreiter — es liegt auch unter dem Mittelfeld.

Was das praktisch bedeutet: Wenn jemand ChatGPT fragt „Welcher Elektriker in Detmold ist gut?", dann zieht die KI ihre Antworten aus strukturierten Daten, Bewertungsportalen und klar aufbereiteten Website-Inhalten. Eine Handwerker-Website ohne Schema, ohne klare Leistungsbeschreibung und ohne Bewertungen ist für diese Systeme nahezu unsichtbar.

Nur 206 von 6.534 Handwerker-Websites (3,2 %) haben eine llms.txt-Datei — eine simple Textdatei, die KI-Systemen Kontext über das Unternehmen gibt. Das Erstellen dauert 10 Minuten. Mehr dazu in meinem Artikel über KI-Readiness für lokale Unternehmen.

Branchenvergleich: Handwerk vs. IT vs. Gesundheit

Kriterium Handwerk Gesundheit IT & Technik Ø alle
HTTPS 75 % 87 % 95 % 84 %
Mobile (Viewport) 76 % 85 % 93 % 82 %
Schema-Markup 47 % 62 % 77 % 55 %
Blog / Content 43 % 51 % 68 % 49 %
Sitemap 38 % 48 % 72 % 46 %
AI-Readiness Ø 46,0 54,2 69,0 51,3

Die Tabelle macht deutlich: Das Handwerk liegt in jedem einzelnen Kriterium unter dem Gesamtdurchschnitt. Der Abstand zur IT-Branche beträgt bei HTTPS 20 Prozentpunkte, bei Schema-Markup sogar 30. Das sind keine Nuancen — das ist ein strukturelles Defizit.

Das soll kein Vorwurf sein. Handwerker haben ihren Fokus auf der Baustelle, nicht im Backend. Aber genau deshalb brauchen sie Webdienstleister, die diese Basics von Anfang an mitliefern — und keine Template-Websites, die technisch auf dem Stand von 2018 sind.

Die 5 häufigsten Fehler auf Handwerker-Websites

Aus den Daten lassen sich die fünf häufigsten technischen Fehler klar ablesen. In dieser Reihenfolge der Verbreitung:

  1. Keine Sitemap (62 %) — Google muss raten, welche Seiten existieren. Neue Seiten werden langsam oder gar nicht indexiert.
  2. Kein Blog oder Content-Bereich (57 %) — Ohne Inhalte keine Sichtbarkeit für Suchbegriffe wie „Was kostet eine Badsanierung?" oder „Elektriker Notdienst Paderborn". Wer diese Fragen auf der eigenen Website beantwortet, bekommt den Klick.
  3. Kein Schema-Markup (53 %) — Ohne strukturierte Daten erscheinen Sie nicht im Local Pack von Google mit Sternen, Öffnungszeiten und Adresse. Die Klickrate sinkt um bis zu 30 %.
  4. Kein HTTPS (25 %) — Browser-Warnung, Ranking-Nachteil, Datenschutz-Problem. Drei Gründe, das heute noch zu ändern.
  5. Nicht mobiloptimiert (24 %) — Beim Handwerk suchen geschätzt 70-80 % der Kunden mobil. Eine Desktop-only-Seite ist wie ein Laden ohne Eingangstür.

Das Positive: Keiner dieser Fehler ist teuer zu beheben. HTTPS und Sitemap lassen sich an einem Nachmittag umstellen. Schema-Markup ist in einer Stunde eingebaut. Und eine grundlegende Mobile-Optimierung muss kein Komplett-Redesign sein. Die konkreten Schritte finden Sie weiter unten — und im Detail in meinem Artikel über die häufigsten Fehler auf Handwerker-Websites.


Was Handwerksbetriebe jetzt tun können

Fünf Maßnahmen, sortiert nach Aufwand — das Einfachste zuerst:

1. HTTPS aktivieren (30 Minuten)

Rufen Sie Ihren Hoster an oder loggen Sie sich ein. Bei den meisten Anbietern (IONOS, Strato, All-Inkl.) ist Let's Encrypt mit einem Klick aktivierbar. Kostenlos, sofort wirksam.

2. Sitemap erstellen und einreichen (1 Stunde)

Eine sitemap.xml listet alle Seiten Ihrer Website auf. Bei WordPress gibt es dafür Plugins wie Yoast. Bei statischen Websites kann Ihr Webdienstleister das in Minuten erstellen. Anschließend die Sitemap in der Google Search Console einreichen.

3. Schema-Markup einbauen (1-2 Stunden)

Ein LocalBusiness-Schema sagt Google: „Hier ist ein Malerbetrieb in Gütersloh, Telefon XY, geöffnet Mo-Fr 7-17 Uhr, Bewertung 4,8 Sterne." Das lässt sich als JSON-LD im HTML-Quellcode einbauen — ohne sichtbare Änderung auf der Seite.

4. Mobile testen und nachbessern (variabel)

Testen Sie Ihre Website auf dem Handy. Ist die Telefonnummer direkt antippbar? Sind Buttons groß genug? Liest sich der Text ohne Zoomen? Wenn nein, brauchen Sie mindestens einen <meta name="viewport">-Tag und ein paar CSS-Anpassungen. Im Zweifel: Mehr dazu im Artikel über Mobile-Optimierung für Unternehmer.

5. Einen ersten Inhalt veröffentlichen (halber Tag)

Sie müssen keinen Blog starten. Aber eine gut geschriebene FAQ-Seite mit den 10 häufigsten Kundenfragen zu Ihren Leistungen bringt mehr als jede Stockfoto-Galerie. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, was Kunden am Telefon am häufigsten wissen wollen — und schreiben Sie die Antworten auf.


Die Daten zeigen ein klares Bild: Das Handwerk in OWL hat großes digitales Potenzial, das bisher ungenutzt bleibt. Die gute Nachricht: Die Einstiegshürde ist niedrig. HTTPS, Sitemap und Schema-Markup sind keine Raketenwissenschaft — sie sind Handwerk. Nur eben digitales.

Die vollständige Analyse aller Branchen finden Sie im Pillar-Artikel: 27.000 Websites in OWL analysiert. Und wenn Sie wissen wollen, wie eine professionelle Handwerker-Website aussieht, die diese Basics von Anfang an mitbringt, schauen Sie auf meine Webdesign-Seite.