Ein Elektriker aus Herford hat mir erzählt, dass er Angebote auf dem Block schreibt — abends am Küchentisch. Drei Tage später schickt er sie raus. Sein Konkurrent nutzt eine App und verschickt das Angebot noch auf der Baustelle. Wer den Auftrag bekommt, können Sie sich denken.
Geschwindigkeit entscheidet im Handwerk über Aufträge. Wer innerhalb von 24 Stunden ein sauberes Angebot liefert, wirkt professioneller — und bekommt den Zuschlag. Dafür brauchen Sie keine teure Software. Eine gute Vorlage und das richtige Tool reichen.
Warum Angebote digital besser sind
Handschriftliche Angebote oder Word-Dokumente ohne feste Struktur haben drei Probleme: Sie kosten Zeit, sehen bei jedem Angebot anders aus und es fehlen regelmäßig Pflichtangaben.
Digitale Angebotsvorlagen lösen alle drei Punkte:
- Zeitersparnis — Stammdaten, Textbausteine und Positionen sind vorausgefüllt. Statt 45 Minuten pro Angebot brauchen Sie 10
- Einheitliches Erscheinungsbild — Logo, Farben, Layout sehen bei jedem Angebot gleich aus. Das schafft Vertrauen
- Rechtssicherheit — Pflichtangaben sind fest eingebaut und werden nicht vergessen
- Nachverfolgung — Sie sehen, welche Angebote offen sind und können gezielt nachfassen
Diese Pflichtangaben gehören ins Angebot
Ein Angebot ist ein Geschäftsbrief — und unterliegt den Formvorschriften des § 125a HGB. Fehlen Pflichtangaben, wirkt das nicht nur unprofessionell — es kann bei Streitfällen auch rechtliche Konsequenzen haben.
- Vollständiger Firmenname mit Rechtsform (z. B. „Elektro Müller GmbH" oder „Max Müller, Elektroinstallation")
- Geschäftsadresse und Kontaktdaten (Telefon, E-Mail)
- Angebotsnummer und Datum — für die Zuordnung und als Nachweis
- Empfänger — Name und Adresse des Kunden
- Leistungsbeschreibung — Einzelpositionen mit Menge, Einheit und Preis
- Gesamtpreis mit Umsatzsteuer-Ausweis (oder Hinweis auf Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG)
- Bindefrist — Wie lange das Angebot gültig ist. Ohne Angabe gilt § 147 BGB: so lange, wie eine Antwort „unter regelmäßigen Umständen" dauert
- Zahlungsbedingungen — Fälligkeit, Skonto, Abschlagszahlungen
Bei zulassungspflichtigen Gewerken (Elektro, Sanitär, Heizung) muss zusätzlich die zuständige Handwerkskammer als Aufsichtsbehörde angegeben werden.
Drei Wege zum digitalen Angebot
Option 1: Excel oder Google Sheets (kostenlos)
Für Ein-Mann-Betriebe mit wenigen Angeboten pro Woche reicht eine gut strukturierte Tabelle. Vorteil: Kein Abo, kein neues Tool lernen. Nachteil: Kein automatischer PDF-Versand, keine Nachverfolgung, Logo-Einbindung ist fummelig.
Ein Tipp aus meiner Erfahrung: Wenn Sie mit Excel arbeiten, legen Sie sich ein festes Template-Blatt an, das Sie pro Angebot kopieren. So vergessen Sie keine Pflichtangaben und das Layout bleibt einheitlich.
Option 2: Lexoffice, sevdesk oder FastBill (ab 8 EUR/Monat)
Cloud-Buchhaltungstools wie Lexoffice können mehr als Buchhaltung: Angebote erstellen, als PDF versenden, in Rechnungen umwandeln und den Status tracken. Die Pflichtangaben sind fest eingebaut — Sie füllen nur die Positionen aus.
Für die meisten Handwerksbetriebe in OWL, mit denen ich spreche, ist Lexoffice der beste Einstieg: günstig, einfach zu bedienen und GoBD-konform. sevdesk und FastBill können dasselbe — die Wahl ist Geschmackssache.
Option 3: Branchensoftware (ab 30 EUR/Monat)
Tools wie Craftnote, openHandwerk oder Streit V.1 sind speziell für das Handwerk gebaut. Sie können Aufmaße, Materialpreise und Lohnkosten direkt kalkulieren. Sinnvoll ab ca. 10 Angeboten pro Woche und wenn Sie Aufmaße von der Baustelle direkt ins Angebot übernehmen wollen.
Der Nachteil: Höhere Kosten, längere Einarbeitung. Und viele Betriebe nutzen am Ende nur die Angebotsfunktion — für die sie dann 30-50 EUR pro Monat zahlen, obwohl Lexoffice dasselbe für 8 EUR könnte.
Aufbau einer guten Angebotsvorlage
Egal welches Tool Sie nutzen — ein professionelles Angebot folgt immer demselben Aufbau:
- Kopfbereich — Ihr Logo, Firmenname, Kontaktdaten. Sauber gesetzt, nicht als pixeliges Bild
- Empfänger + Betreff — „Angebot Nr. 2026-042: Elektroinstallation Neubau"
- Einleitungstext — Ein kurzer Satz, der den Bezug herstellt: „Wie am 15.03. besprochen, biete ich Ihnen folgende Leistungen an:"
- Positionstabelle — Pos., Beschreibung, Menge, Einheit, Einzelpreis, Gesamtpreis
- Summenblock — Netto, USt., Brutto
- Fußbereich — Bindefrist, Zahlungsbedingungen, AGB-Verweis, Bankverbindung
Ein sauberes Angebot ist Ihre Visitenkarte, bevor der Kunde Ihre Arbeit sieht. Wer hier schlampig wirkt, verliert den Auftrag — egal wie gut er sein Handwerk beherrscht.
Angebote nachverfolgen — der vergessene Schritt
Die meisten Handwerker verschicken ein Angebot und warten. Meldet sich der Kunde nicht, war's das. Dabei lohnt sich ein kurzer Anruf oder eine E-Mail nach 5-7 Tagen fast immer.
In meiner Arbeit mit Handwerksbetrieben sehe ich: Wer Angebote nachverfolgt, steigert seine Abschlussquote um 20-30 %. Nicht weil die Kunden überredet werden — sondern weil das Angebot im Tagesgeschäft schlicht untergegangen ist.
Tools wie Lexoffice zeigen Ihnen den Status jedes Angebots: gesendet, gelesen, angenommen, abgelehnt. Das nimmt das Rätselraten heraus.
Zum Mitnehmen: Starten Sie mit einer einfachen Vorlage (Excel oder Lexoffice), achten Sie auf die Pflichtangaben und verfolgen Sie Ihre Angebote nach. Das kostet Sie eine Stunde Einrichtungszeit — und spart ab dem ersten Tag.
Wenn Sie ChatGPT als Textbaustein-Helfer nutzen möchten, lesen Sie meinen Artikel ChatGPT für Handwerker. Und wer grundsätzlich digitaler arbeiten will, findet in KI-Tools für kleine Unternehmen weitere praktische Werkzeuge. Gerne berate ich Sie auch persönlich — schreiben Sie mir.