WordPress und Divi dominieren OWL — ist das ein Problem?

Fast jede dritte Unternehmens-Website in OWL läuft auf WordPress. Und acht von zehn davon sehen fast gleich aus — weil sie alle Divi nutzen. Was bedeutet das für Ladezeit, Design und Sichtbarkeit?

Websites Ravel-Lukas Geck / geckIT Webdesign 7 Min. Lesezeit
Laptop mit geöffnetem Code-Editor auf einem Schreibtisch — Webentwicklung
Foto: Ben Kolde / Unsplash

Für die OWL-Studie habe ich 21.158 Unternehmens-Websites technisch analysiert. Dabei habe ich unter anderem ausgelesen, welches CMS oder Framework hinter jeder Seite steckt. Das Ergebnis: WordPress ist mit Abstand das häufigste System. Das allein überrascht niemanden. Was mich überrascht hat: 81 Prozent aller WordPress-Seiten in OWL nutzen ein und dasselbe Theme — Divi.

Dieser Artikel schlüsselt die CMS-Verteilung auf, zeigt Kuriositäten wie FrontPage-Websites im Jahr 2026, und ordnet ein, was die Zahlen für Geschwindigkeit und Design-Individualität bedeuten.

Die CMS-Landschaft in OWL — alle Zahlen

Von 21.158 gescannten Websites konnte ich bei rund einem Drittel ein konkretes CMS oder Framework identifizieren. Der Rest läuft auf statischem HTML ohne erkennbares System — oder auf proprietären Lösungen, die sich nicht automatisch zuordnen lassen.

CMS / Framework Anzahl Anteil
WordPress 6.457 30,5 %
davon Divi 5.260 81,5 % d. WP
davon Elementor 530 8,2 % d. WP
TYPO3 453 2,1 %
Joomla 228 1,1 %
Contao 169 0,8 %
Vue.js 144 0,7 %
React 68 0,3 %
NVU 64 0,3 %
FrontPage 55 0,3 %
Nuxt 37 0,2 %
Next.js 35 0,2 %
Webflow 34 0,2 %
Squarespace 9 < 0,1 %
Dreamweaver 5 < 0,1 %
Rest (kein erkennbares CMS) 13.300 62,9 %

Die Tabelle zeigt: WordPress ist das mit Abstand dominanteste System. TYPO3 folgt weit abgeschlagen — und wurde in meiner Erfahrung vor allem von größeren Unternehmen und Kommunen eingesetzt, die eine Agentur mit TYPO3-Spezialisierung beauftragt haben.

Das Divi-Phänomen: 5.260 Websites, ein Theme

WordPress selbst ist ein solides System. Es ist flexibel, gut dokumentiert und hat ein riesiges Ökosystem. Das Problem, das ich in den Daten sehe, liegt eine Ebene tiefer: bei der Theme-Wahl.

Von den 6.457 WordPress-Websites in OWL nutzen 5.260 das Theme Divi von Elegant Themes. Das sind 81 Prozent. Elementor kommt auf 530 (8 Prozent). Der Rest verteilt sich auf Avada, Astra und diverse andere Themes.

Warum ist Divi so verbreitet? Die Erklärung ist simpel: Divi bietet einen visuellen Page Builder, mit dem Agenturen schnell Seiten zusammenklicken können. Die Einstiegshürde ist niedrig, die Einarbeitungszeit kurz. Viele lokale Agenturen in OWL haben sich auf Divi spezialisiert und setzen es bei jedem Projekt ein.

Das Resultat sehe ich bei meiner täglichen Arbeit: Wenn ich Websites von Handwerkern und Dienstleistern in OWL vergleiche, erkenne ich das Divi-Grundgerüst oft auf den ersten Blick. Gleiche Spaltenaufteilung, gleiche Animationen, gleiche Button-Stile. Wenn Ihr Konkurrent drei Straßen weiter dasselbe Theme nutzt wie Sie, wird es schwer, sich visuell abzuheben.

WordPress ist nicht das Problem. Das Problem ist die Monokultur: Tausende Unternehmen, die über dieselbe Agentur dasselbe Theme mit denselben Modulen bekommen — und sich dann wundern, dass ihre Website austauschbar wirkt.

Zeitreise: FrontPage, NVU und Dreamweaver

Zwischen den erwartbaren CMS-Einträgen tauchen in den Daten auch Relikte auf: 55 Websites tragen noch den Meta-Generator-Tag von Microsoft FrontPage. 64 Websites wurden erkennbar mit NVU erstellt. 5 weitere mit Macromedia Dreamweaver.

FrontPage wurde 2006 eingestellt. NVU hatte seine letzte Version 2005. Dreamweaver existiert zwar noch als Adobe-Produkt, wird aber kaum noch für produktive Firmen-Websites eingesetzt. Zusammen sind das 124 Websites, die mit Werkzeugen gebaut wurden, deren letzte Blütezeit über 20 Jahre zurückliegt.

Ich nenne diese Zahl nicht, um jemanden vorzuführen. Im Gegenteil: Wenn eine Website seit 20 Jahren funktioniert und der Betrieb läuft, hat der Inhaber offenbar andere Prioritäten — und das ist legitim. Aber es zeigt auch, wie groß der Modernisierungsbedarf in der Region tatsächlich ist. Diese Seiten sind nicht responsive, nicht SSL-verschlüsselt und für Google im Jahr 2026 praktisch unsichtbar.

Was das CMS mit der Geschwindigkeit macht

Parallel zur CMS-Erkennung habe ich für 711 Websites einen Lighthouse-Mobile-Performance-Test durchgeführt. Der Durchschnittswert: 75,7 von 100.

  • Unter 50: 7 % der getesteten Seiten
  • 50 bis 89: 63 % — die breite Mitte
  • 90+: 30 % — gute bis sehr gute Performance

Der Score 75 klingt ordentlich, ist aber trügerisch. Google stuft alles unter 90 als „verbesserungswürdig" ein. Und auf dem Smartphone — wo die meisten lokalen Suchen passieren — zählt jede Zehntelsekunde. Wer sich für das Thema Ladezeit interessiert, findet in meinem Artikel zur Ladezeit-Optimierung konkrete Maßnahmen.

WordPress mit Divi produziert typischerweise größere HTML-Dateien und lädt mehr JavaScript als nötig. Das liegt an der Architektur: Der Visual Builder generiert Inline-Styles und verschachtelte Div-Container, die der Browser erst parsen muss. Ein schlankes statisches HTML — wie ich es für meine Kunden baue — kommt mit einem Bruchteil des Codes aus.

Das heißt nicht, dass jede WordPress-Seite langsam sein muss. Mit richtigem Caching, optimierten Bildern und einem leichten Theme sind auch unter WordPress gute Werte möglich. Nur: Bei den Divi-Seiten in meinem Datensatz war das selten der Fall.

Moderne Frameworks: Da, aber kaum verbreitet

Vue.js (144), React (68), Nuxt (37), Next.js (35) — zusammen kommen die modernen JavaScript-Frameworks auf 284 Websites. Das sind unter 1,5 Prozent der gescannten Seiten.

Webflow (34) und Squarespace (9) spielen in OWL praktisch keine Rolle. Das unterscheidet die Region deutlich von Großstädten wie Berlin oder München, wo No-Code-Tools und React-basierte Stacks stärker vertreten sind.

Die Zukunft ist technisch gesehen längst da — sie ist nur ungleich verteilt. Für einen Handwerker in Detmold oder einen Dienstleister in Herford gibt es keinen Grund, ein React-Framework einzusetzen. Aber es gibt gute Gründe, sich vom Divi-Standard zu lösen und auf eine individuelle Lösung zu setzen, die genau das tut, was sie soll — und nichts darüber hinaus.


Was bedeutet das für Sie?

WordPress ist ein gutes CMS. Daran gibt es nichts zu rütteln. Aber wenn 81 Prozent aller WordPress-Seiten in Ihrer Region dasselbe Theme nutzen, ist Ihre Website mit hoher Wahrscheinlichkeit visuell austauschbar — mit ähnlicher Struktur, ähnlichen Ladezeiten und ähnlichem Erscheinungsbild.

Die Frage, die sich lohnt: Hebt sich meine Website von der Konkurrenz ab — oder sieht sie aus wie jede zweite Divi-Seite in der Nachbarschaft? Wenn Sie unsicher sind, lohnt sich ein Blick auf die vollständige OWL-Studie mit allen Ergebnissen.

Eine individuelle Website muss nicht teuer sein. Statisches HTML mit Tailwind — mein bevorzugter Stack — liefert bessere Performance als die meisten CMS-Lösungen, braucht keine Updates und keine Wartung. Und es sieht genau so aus, wie es zu Ihrem Betrieb passt. Nicht wie ein Template, das 5.000 andere auch nutzen.