Über 21.000 Unternehmens-Websites aus Ostwestfalen-Lippe. Acht grundlegende SEO-Kriterien. Ein Ergebnis, das ich so deutlich nicht erwartet hatte: Die Mehrheit scheitert bereits an den Basics.
Die Daten stammen aus meiner Analyse von über 27.000 Websites in OWL. Für den SEO-Teil habe ich 21.158 Seiten automatisiert auf acht Kriterien geprüft — keine subjektiven Einschätzungen, sondern harte Ja/Nein-Fragen: Hat die Seite eine Meta-Description? Gibt es eine Sitemap? Existiert Schema-Markup?
Was dabei herauskam, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die technische SEO-Basis fehlt bei der Mehrzahl der Unternehmens-Websites in der Region. Und das betrifft nicht nur kleine Handwerksbetriebe — sondern zieht sich durch fast alle Branchen.
Meta-Descriptions: 45 % komplett ohne
Die Meta-Description ist der kurze Text, der in den Google-Suchergebnissen unter dem Seitentitel erscheint. Sie ist kein direkter Ranking-Faktor — aber sie entscheidet darüber, ob jemand auf Ihr Ergebnis klickt oder auf das der Konkurrenz.
55 % der analysierten Websites haben eine Meta-Description. 45 % nicht. Bei den fehlenden entscheidet Google selbst, welchen Textschnipsel es anzeigt. Meistens greift die Suchmaschine dann irgendeinen Satz von der Seite — oft den Falschen.
In meiner täglichen Arbeit sehe ich das ständig: Ein Metallbau-Betrieb in Detmold hat eine saubere Website, aber Google zeigt als Beschreibung den Cookie-Hinweis an. Weil keine Meta-Description gesetzt ist. Technisch eine Kleinigkeit, wirtschaftlich ein messbarer Klickverlust.
Sitemap und robots.txt: Google findet viele Seiten nicht
Eine sitemap.xml ist die Landkarte Ihrer Website
für Suchmaschinen. Sie listet alle Seiten auf, die indexiert
werden sollen. Eine robots.txt gibt Crawlern
Anweisungen, welche Bereiche sie lesen dürfen.
64 % der Websites in OWL haben keine Sitemap. Bei der robots.txt sieht es besser aus — 68 % haben eine. Aber eine robots.txt ohne Sitemap-Verweis ist wie ein Briefkasten ohne Hausnummer: Der Postbote weiß, dass da jemand wohnt, aber findet nicht alle Räume.
Besonders bei Websites mit mehreren Unterseiten —
Leistungsseiten, Team, Referenzen — ist das ein Problem. Google
kennt ohne Sitemap oft nur die Startseite. Der Rest existiert
für die Suchmaschine schlicht nicht. Wenn Sie prüfen wollen, ob
Ihre Seite betroffen ist: Geben Sie in die Adressleiste
ihredomain.de/sitemap.xml ein. Kommt eine
XML-Datei? Gut. Kommt eine Fehlerseite? Handlungsbedarf.
Schema-Markup: Die wichtigste Sprache für Suchmaschinen
Schema-Markup (strukturierte Daten) übersetzt Ihre Website-Inhalte in ein Format, das Google und KI-Suchmaschinen direkt verstehen. Ohne Schema sieht Google nur Text. Mit Schema versteht Google: Das ist ein Unternehmen, in dieser Stadt, mit diesen Öffnungszeiten und dieser Bewertung.
53 % der Websites haben kein Schema-Markup. Das ist ein Problem, das in den nächsten Jahren noch gravierender wird. Denn KI-gestützte Suche — Perplexity, ChatGPT Search, Google AI Overviews — basiert stark auf strukturierten Daten. Wer kein Schema hat, wird von diesen Systemen kaum berücksichtigt.
Die 47 % mit Schema verteilen sich sehr ungleich über die Branchen. Dazu gleich mehr in der Tabelle.
Bilder ohne Alt-Texte: 59 % verschenken SEO-Potenzial
Alt-Texte beschreiben Bilder für Screenreader und Suchmaschinen. Sie sind ein unterschätzter SEO-Faktor — Google nutzt Alt-Texte, um den Kontext einer Seite besser zu verstehen. Und sie sind Pflicht für Barrierefreiheit.
59 % der Websites haben keine oder unzureichende Alt-Texte
auf ihren Bildern.
Oft fehlen sie komplett. Manchmal steht dort nur
IMG_2847.jpg — das hilft weder Google noch einem
blinden Nutzer.
Zwei weitere Datenpunkte aus der Analyse: 50 % setzen Open Graph Tags — also die Vorschaubilder, die bei WhatsApp oder LinkedIn angezeigt werden, wenn jemand den Link teilt. Und 58 % nutzen semantisches HTML (Header, Main, Nav, Footer statt nur div-Elemente). Beides gehört heute zum Standard, wird aber von knapp der Hälfte ignoriert.
Ein Punkt, der mich überrascht hat: Nur 26 % der Websites zeigen Social Proof — also Bewertungen, Referenzen oder Gütesiegel. Dabei wissen wir aus der Forschung zu Google-Bewertungen, dass Vertrauen ein entscheidender Konversionsfaktor ist. Drei von vier Unternehmen verzichten darauf, ihre besten Argumente auf der Website zu zeigen.
Branchen-Vergleich: Wer führt, wer fällt zurück
Die Unterschiede zwischen den Branchen sind erheblich. Die folgende Tabelle zeigt den Anteil der Websites mit Schema-Markup — stellvertretend für die technische SEO-Reife, weil Schema das komplexeste der geprüften Kriterien ist.
| Branche | Schema-Markup vorhanden |
|---|---|
| Bildung | 83 % |
| IT & Technik | 77 % |
| Fitness | 71 % |
| Industrie | 71 % |
| Bau & Transport | 54 % |
| Handwerk | 47 % |
| Gesundheit | 45 % |
| KFZ | 40 % |
| Schönheit | 37 % |
Bildung und IT führen deutlich — vermutlich, weil diese Branchen eher mit Agenturen arbeiten oder das technische Know-how intern mitbringen. Am unteren Ende stehen Schönheit (Friseure, Kosmetik) und KFZ-Betriebe mit unter 40 %.
Was mich an diesen Zahlen beschäftigt: Gerade Handwerk und KFZ sind die Branchen, in denen lokale Sichtbarkeit über Auftragslage entscheidet. Wenn jemand „Dachdecker Detmold" googelt, hat der Betrieb mit Schema-Markup (Öffnungszeiten, Bewertungen, Kontaktdaten direkt in den Suchergebnissen) einen massiven Vorteil gegenüber dem ohne. Trotzdem fehlt es bei mehr als der Hälfte.
Stadt-Vergleich: Paderborn vorn, Gütersloh hinten
Auch zwischen den Städten gibt es Unterschiede — allerdings weniger dramatisch als zwischen den Branchen.
| Stadt | Schema-Markup vorhanden |
|---|---|
| Paderborn | 53 % |
| Herford | 52 % |
| Detmold | 51 % |
| Bielefeld | 50 % |
| Minden | 50 % |
| Gütersloh | 44 % |
Paderborn liegt knapp vorn — möglicherweise durch die Nähe zur Universität und die Konzentration von IT-Unternehmen. Gütersloh bildet das Schlusslicht mit nur 44 %. Die Mitte (Detmold, Bielefeld, Minden) liegt eng beisammen bei 50–51 %.
Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Schema-Adoptionsrate bei kleinen und mittleren Unternehmen laut verschiedenen Branchenberichten bei etwa 30–35 %. OWL steht damit insgesamt besser da als der Durchschnitt — aber „besser als schlecht" ist kein Qualitätsmerkmal.
SEO-Quick-Check: 5 Punkte, die Sie heute prüfen können
Sie müssen kein SEO-Experte sein, um die wichtigsten Probleme zu erkennen. Diese fünf Checks schaffen Sie in 10 Minuten:
- Meta-Description prüfen — Googeln Sie Ihren Firmennamen. Steht unter dem Ergebnis ein sinnvoller Beschreibungstext? Oder zeigt Google irgendeinen Textschnipsel von der Seite?
-
Sitemap testen — Rufen Sie
ihredomain.de/sitemap.xmlauf. Wenn eine Fehlerseite kommt, fehlt die Sitemap. - Schema-Check — Öffnen Sie den Google Rich Results Test und geben Sie Ihre URL ein. Werden strukturierte Daten erkannt?
-
Alt-Texte kontrollieren — Rechtsklick auf ein
Bild Ihrer Website, „Untersuchen" wählen. Steht im
alt-Attribut ein beschreibender Text — oder ist es leer? - Social Proof suchen — Sind auf Ihrer Website Google-Bewertungen, Referenzen oder Zertifikate sichtbar? Falls nicht: Sie verzichten auf eines der stärksten Vertrauenssignale.
Wenn bei drei oder mehr Punkten Handlungsbedarf besteht, ist Ihre Website wahrscheinlich unter ihrem Potenzial unterwegs. Ein Website-Audit kann das in 30 Minuten objektiv klären — mit konkreten Empfehlungen statt vager Diagnosen.
Die Daten zeigen: Wer die SEO-Grundlagen umsetzt, gehört in OWL schon zur besseren Hälfte. Die Hürde ist niedrig. Die meisten Unternehmen lassen sie trotzdem liegen.
Dieser Artikel ist Teil meiner Analyse von über 27.000 Unternehmens-Websites in Ostwestfalen-Lippe. Dort finden Sie die Gesamtübersicht — von Ladezeiten über Mobile-Optimierung bis zur lokalen Sichtbarkeit.