404-Seite gestalten: So verlieren Sie keine Besucher

Tote Links passieren jeder Website. Eine gute 404-Seite fängt Besucher auf, statt sie zu vertreiben.

Praxis Ravel-Lukas Geck / geckIT Webdesign 5 Min. Lesezeit
Leerer Stuhl vor einer Wand — symbolisch für eine nicht gefundene Seite
Foto: Erik Mclean / Unsplash

Tippen Sie eine beliebige Fantasie-URL auf Ihrer eigenen Website ein. Was passiert? Wenn Sie eine weiße Seite mit „404 Not Found" sehen, haben Sie ein Problem — nicht technisch, sondern geschäftlich. Jeder Besucher, der dort landet, ist eine verpasste Chance.

Bei einem Kundenprojekt habe ich festgestellt, dass die Standard-Nginx-Fehlerseite Besucher direkt zum Absprung brachte — nach dem Einbau einer eigenen 404-Seite sind die Absprungraten von Fehlerseiten um die Hälfte gesunken. Die Besucher haben stattdessen die Navigation genutzt und sich weiter umgeschaut.


Warum 404-Seiten wichtig sind

Tote Links entstehen ständig. Google ändert die Art, wie URLs gecrawlt werden. Andere Websites verlinken auf Seiten, die Sie längst umbenannt haben. Besucher vertippen sich in der Adresszeile. Und wenn Sie Ihre Website mal umstrukturieren, brechen garantiert ein paar alte Links.

Das Problem ist nicht der 404-Fehler selbst — der ist normal und unvermeidbar. Das Problem ist, was der Besucher dann sieht. Die Standard-Fehlerseite Ihres Servers (ein nüchterner Text auf weißem Hintergrund, oft auf Englisch) sagt dem Besucher: „Hier geht es nicht weiter." Und der Besucher geht zurück zu Google — zu Ihrem Wettbewerber.

Eine eigene 404-Seite dreht das um. Sie sagt: „Die Seite gibt es nicht mehr, aber schauen Sie mal hier." Sie behält die Navigation bei, bietet Alternativen und gibt dem Besucher einen Grund zu bleiben. Das klingt nach einem kleinen Detail, aber bei Websites mit dutzenden Unterseiten und hunderten eingehenden Links summiert sich der Effekt.

Fünf Must-Haves für eine gute 404-Seite

Eine 404-Seite muss kein Design-Meisterwerk sein. Sie muss funktional sein. Diese fünf Elemente gehören drauf:

  1. Klare Nachricht — „Diese Seite wurde nicht gefunden" oder „Die Seite existiert nicht mehr." Kein Fach-Jargon, kein „Error 404". Der Besucher muss in einer Sekunde verstehen, was los ist
  2. Link zur Startseite — Der offensichtlichste Ausweg. Ein gut sichtbarer Button, kein versteckter Textlink
  3. Navigation oder Menü — Dieselbe Navbar wie auf allen anderen Seiten. So kann der Besucher direkt dorthin, wo er hin wollte. Auf meinen Kunden-Websites richte ich immer eine 404-Seite ein, die dieselbe Navigation wie der Rest der Website hat — so findet sich der Besucher sofort zurecht
  4. Suchfunktion (optional) — Hilfreich bei Websites mit vielen Inhalten. Für eine Firmenwebsite mit fünf Seiten übertrieben, für einen Blog mit 50 Artikeln sinnvoll
  5. Kontaktmöglichkeit — E-Mail-Adresse oder Telefonnummer. Falls der Besucher etwas Bestimmtes gesucht hat, kann er Sie direkt fragen

Humor auf der 404-Seite? Kann funktionieren, wenn es zur Marke passt. Ein Handwerksbetrieb mit „Da hat wohl jemand den falschen Nagel getroffen" wirkt sympathisch. Aber Klarheit geht immer vor Witz. Wenn der Besucher erst rätseln muss, ob er auf einer Fehlerseite gelandet ist, haben Sie etwas falsch gemacht.

SEO: Was Google über 404-Seiten sagt

Ein 404-Fehler ist für Google kein Ranking-Problem — solange Ihr Server auch wirklich den HTTP-Statuscode 404 zurückgibt. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht.

Das Gegenteil ist ein sogenannter Soft 404: Die Seite zeigt „nicht gefunden", liefert aber den Statuscode 200 (also „alles okay"). Das passiert häufig, wenn die 404-Seite einfach als normale Unterseite angelegt wird, statt sie über die Server-Konfiguration einzubinden. Google erkennt Soft 404s inzwischen zuverlässig und meldet sie in der Search Console als Crawling-Fehler.

Was wirklich schadet, sind kaputte interne Links — also Links auf Ihrer eigenen Website, die auf nicht existierende Seiten zeigen. Jeder dieser Links verschwendet Crawl-Budget und signalisiert Google mangelnde Pflege. Die Google Search Console zeigt Ihnen unter „Seiten" genau, welche URLs 404-Fehler auslösen. Prüfen Sie das regelmäßig, besonders nach einem Relaunch. Mehr zum Thema technische Fehler finden Sie in meinem Artikel über die häufigsten Website-Fehler.

Ein 404-Fehler ist kein Problem. Zehn kaputte interne Links schon — weil sie zeigen, dass niemand aufräumt.

404-Seite auf dem Server einrichten

Die technische Einrichtung ist einfacher, als die meisten denken. Sie brauchen zwei Dinge: eine HTML-Datei für die 404-Seite und eine Zeile in der Server-Konfiguration.

Apache (.htaccess)

Die meisten Shared-Hosting-Pakete bei Strato, IONOS oder All-Inkl laufen auf Apache. Hier reicht eine Zeile in der .htaccess-Datei im Root-Verzeichnis:

ErrorDocument 404 /404.html

Erstellen Sie eine Datei namens 404.html im Hauptverzeichnis Ihrer Website. Diese Datei sollte dasselbe Layout haben wie Ihre restlichen Seiten — gleiche Schriftart, gleiche Farben, gleiche Navigation.

Nginx

Für Nginx tragen Sie in der Server-Konfiguration ein:

error_page 404 /404.html;

Danach Nginx neu laden (sudo nginx -s reload), fertig. Die 404.html liegt wieder im Root-Verzeichnis der Website.

Statisches Hosting ohne Server-Zugriff

Bei manchen Anbietern (Baukasten-Systeme, einige Managed-Pakete) können Sie die Server-Konfiguration nicht ändern. Prüfen Sie in den Einstellungen Ihres Hosters, ob es eine Option „Eigene Fehlerseite" gibt. Die meisten bieten das irgendwo im Kundenbereich an. Falls eine langsame Seite zusätzlich zu Ihren Sorgen gehört: Ladezeit-Probleme lassen sich oft parallel lösen — ich habe dazu einen Praxis-Artikel über Ladezeit-Optimierung geschrieben.


Was die 404-Seite NICHT braucht

Genauso wichtig wie die richtigen Elemente sind die Dinge, die Sie weglassen sollten:

  • Keine automatische Weiterleitung — Manche Websites leiten 404-Fehler automatisch auf die Startseite um. Das verwirrt Besucher (sie wundern sich, warum plötzlich die Startseite erscheint) und irritiert Google. Die Suchmaschine kann nicht unterscheiden, ob die Seite existiert oder nicht — ein klassischer Soft 404
  • Kein Blame-Game — „Sie haben eine falsche URL eingegeben" ist unhöflich. Der Besucher hat vielleicht einen veralteten Link von einer anderen Website angeklickt. Das ist nicht seine Schuld. Formulieren Sie neutral: „Diese Seite wurde nicht gefunden"
  • Keine leere weiße Seite — Der Standard-404-Text des Servers ohne jedes Styling signalisiert Unprofessionalität. Wenn Ihre Website sonst gut gestaltet ist, fällt der Bruch umso stärker auf
  • Kein Overengineering — Aufwendige Animationen, Mini-Spiele oder GIF-Schlachten sind nett gemeint, aber lenken vom Ziel ab. Das Ziel ist: den Besucher zurück zu nützlichem Inhalt führen. Nicht ihn unterhalten

Eine durchdachte 404-Seite gehört zu den Grundlagen, die viele Unternehmer übersehen. Sie braucht keine halbe Stunde Arbeit — aber sie kann den Unterschied machen zwischen einem verlorenen Besucher und einem, der doch noch Ihr Angebot findet.

Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Website solche technischen Lücken hat: In meinem kostenlosen Website-Audit prüfe ich genau solche Punkte — von der 404-Seite bis zu kaputten Links.