53% der Nutzer verlassen Seiten, die länger als 3 Sekunden laden
Das ist keine Übertreibung – das sind Google-Daten. Und es wird schlimmer: Bei 5 Sekunden Ladezeit steigt die Absprungrate auf 90%.
Deine Website kann noch so schön sein. Wenn sie langsam lädt, sehen die meisten Besucher sie nie.
Was bedeutet PageSpeed eigentlich?
Google PageSpeed Insights bewertet deine Website auf einer Skala von 0-100. Die Bewertung basiert auf echten Nutzerdaten und simulierten Tests.
Die Bewertungsstufen:
- 0-49 (Rot): Schlecht – dringender Handlungsbedarf
- 50-89 (Orange): Verbesserungswürdig – Optimierungspotenzial
- 90-100 (Grün): Gut – weiter so
Wichtig: Mobile und Desktop werden getrennt bewertet. Mobile ist kritischer, weil die Mehrheit mobil surft und die Bedingungen (langsameres Netz, schwächere Hardware) härter sind.
Warum Performance so wichtig ist
1. Conversion Rate
Amazon hat berechnet: Jede 100 Millisekunden längere Ladezeit kosten 1% Umsatz. Bei ihrem Volumen sind das Milliarden.
Für kleinere Unternehmen gilt das Prinzip genauso:
| Ladezeit | Erwartete Conversion Rate |
|---|---|
| 1 Sekunde | Basis (100%) |
| 2 Sekunden | -7% |
| 3 Sekunden | -16% |
| 5 Sekunden | -38% |
2. Google Rankings
Seit 2021 sind Core Web Vitals ein offizieller Ranking-Faktor. Google bevorzugt schnelle Seiten – und bestraft langsame.
Bei gleicher Inhaltsqualität gewinnt die schnellere Website.
3. User Experience
Schnelle Seiten fühlen sich professionell an. Langsame Seiten frustrieren. Dieser erste Eindruck überträgt sich auf die Wahrnehmung deines gesamten Unternehmens.
4. Kosten
Langsame Seiten = mehr Server-Last = höhere Hosting-Kosten. Optimierte Seiten brauchen weniger Ressourcen.
Die häufigsten Performance-Killer
1. Unoptimierte Bilder
Das Problem: Ein Bild direkt aus der Kamera hat oft 5-10 MB. Für eine Website braucht es maximal 200 KB.
Die Lösung:
- Bilder vor dem Upload komprimieren
- Richtige Formate verwenden (WebP statt PNG/JPG)
- Responsive Bilder (unterschiedliche Größen für unterschiedliche Geräte)
- Lazy Loading (Bilder erst laden, wenn sie sichtbar werden)
<!-- Optimal -->
<img
src="bild.webp"
srcset="bild-400.webp 400w, bild-800.webp 800w"
sizes="(max-width: 600px) 400px, 800px"
loading="lazy"
alt="Beschreibung"
>
2. Zu viel JavaScript
Das Problem: Jedes Script muss geladen, geparst und ausgeführt werden. Das blockiert das Rendering.
Die Lösung:
- Unnötige Plugins entfernen
- Scripts am Ende der Seite oder mit
deferladen - Kritisches JS inline, Rest lazy-loaden
- Moderne Frameworks vermeiden wenn nicht nötig
3. Fehlende Komprimierung
Das Problem: Unkomprimierte Textdateien (HTML, CSS, JS) sind 3-5x größer als nötig.
Die Lösung:
# .htaccess
<IfModule mod_deflate.c>
AddOutputFilterByType DEFLATE text/html text/css application/javascript
</IfModule>
4. Kein Browser-Caching
Das Problem: Bei jedem Seitenaufruf werden alle Dateien neu geladen.
Die Lösung:
# .htaccess
<IfModule mod_expires.c>
ExpiresActive On
ExpiresByType image/webp "access plus 1 year"
ExpiresByType text/css "access plus 1 month"
ExpiresByType application/javascript "access plus 1 month"
</IfModule>
5. Langsamer Server / Hosting
Das Problem: Billiges Shared Hosting mit überlasteten Servern.
Die Lösung:
- Qualitäts-Hosting wählen (nicht das günstigste)
- Server in der Nähe der Zielgruppe
- CDN für statische Inhalte
Der Weg zu PageSpeed 100
Schritt 1: Ist-Analyse
- PageSpeed Insights öffnen
- URL eingeben
- Mobile UND Desktop testen
- Ergebnisse speichern
Schritt 2: Quick Wins zuerst
Die Maßnahmen mit dem größten Effekt:
- Bilder optimieren – oft 50%+ Verbesserung
- Gzip/Brotli aktivieren – 70% kleinere Dateien
- Unused CSS/JS entfernen – Bootstrap-Default lädt 200 KB ungenutzt
- Above-the-fold optimieren – kritisches CSS inline
Schritt 3: Core Web Vitals optimieren
LCP (Largest Contentful Paint): Wann ist der Hauptinhalt sichtbar?
- Bilder optimieren
- Server Response Time verbessern
- Render-blockierende Ressourcen eliminieren
FID/INP (Interaktivität): Wie schnell reagiert die Seite?
- JavaScript minimieren
- Long Tasks aufbrechen
- Web Workers für schwere Berechnungen
CLS (Cumulative Layout Shift): Springt der Inhalt?
- Dimensionen für Bilder/Videos definieren
- Fonts vorher laden
- Keine dynamisch eingefügten Inhalte über sichtbarem Content
Schritt 4: Messen, Optimieren, Wiederholen
Performance ist kein einmaliges Projekt. Nach jeder größeren Änderung:
- Erneut testen
- Neue Probleme identifizieren
- Optimieren
- Dokumentieren
Tools für die Performance-Optimierung
| Tool | Zweck | Kosten |
|---|---|---|
| PageSpeed Insights | Analyse & Empfehlungen | Kostenlos |
| GTmetrix | Detaillierte Analyse | Kostenlos (Basis) |
| WebPageTest | Tiefe technische Analyse | Kostenlos |
| Lighthouse | Browser-DevTools | Kostenlos |
| Squoosh | Bildkomprimierung | Kostenlos |
Real-World Beispiel
Vorher: Typische WordPress-Seite mit Premium-Theme
- PageSpeed Mobile: 34
- Ladezeit: 6,2 Sekunden
- Größe: 4,8 MB
Nachher: Nach Optimierung
- PageSpeed Mobile: 98
- Ladezeit: 1,1 Sekunden
- Größe: 380 KB
Maßnahmen:
- Unnötige Plugins deaktiviert (-15 Scripts)
- Bilder in WebP konvertiert und komprimiert
- Lazy Loading aktiviert
- CSS/JS minimiert und combined
- Browser-Caching konfiguriert
- Hosting gewechselt
Ergebnis: 4x mehr organischer Traffic nach 3 Monaten.
Fazit
PageSpeed 100 ist kein Selbstzweck – es ist der Unterschied zwischen einer Website, die Kunden bringt, und einer, die sie vergrault.
Die gute Nachricht: Die meisten Performance-Probleme sind lösbar. Oft reichen ein paar Stunden Arbeit für dramatische Verbesserungen.
Deine Website lädt langsam? Jeder Tag, den du wartest, kostet dich Kunden.